Mittwoch, 18. September 2013

Tadschikistan - die Fan-Mountains

20.08.2013 - 04.09.2013

Unser nächtes Ziel hieß "Iskander Kul" und liegt in den Fan-Mountains.
Iskander Kul
Wasserfall nahe Iskander-Kul
Tadschikistan hat nicht nur den Pamir - wie man uns sagte, besteht das Land zu 93% aus Gebirge und im Norden strecken sich ebendiese auf bescheidene 5400m Höhe. Und so war die Ebene von Duschanbe (die eher ein Hügelland ist) auch gleich zu Ende und es ging wieder handfeste Gebirgsstraßen entlang, die ausnahmsweise auch den Namen verdienen und von den Chinesen gebaut wurden. Unterbrechung des sanften Reisens war ein Tunnel, der zwar einröhrig gebohrt, aber dann offensichtlich nicht weitergebaut wurde. Die Fahrbahn zerfahren, Pfützen auf dem Weg, dunkel, herumstehende Geräte und Ventilatoren und auch noch Gegenverkehr. Ach ja, und 5km lang. Irgendwie war es beruhigend, als wieder Tageslicht auftauchte. Die Einheimischen sind aber der Meinung, daß der Tunnel eine Menge Weg spart und kein Problem ist. So unterschiedlich können Maßstäbe sein. Also wir sind gut am Iskanderkul angekommen und haben eine "Turbaza" bezogen.
Ferienanlage aus alten Zeiten
Das ist ein Bungalow in einer ehemals sowjetischen Ferienanlage und erinnert an alte Zeiten: Bungalows, gemeinsame sanitäre Anlagen und ein grosser Speisesaal. Dazu Sportplatz und Strand. Das alles hatten wir aber fast für uns allein, da hierher die Wochenendausflügler aus Duschanbe kommen und es jetzt unter der Woche war. Hier haben wir 2 Nächte verbracht und sind dann zu Fuß bis zum letzten Dorf in die Berge gegangen. Unterwegs am Seerand ein Gebäude, das die Datsche des Präsidenten sein soll. Sieht schick, aber erstmal nicht übertrieben aus. Im Dorf haben wir wieder einen Homestay bezogen und weiter die Gegend erkundet. Die ist hier wieder sehr gebirgig, allerdings sind die Täler enger als im Pamir, es spielt sich alles in geringerer Höhe ab, es ist wesentlich grüner und bei weitem nicht so rauh wie im Pamir. Bei einer Wanderung haben wir von oben 2 Leute im Fluß baden sehen (der wirklich eiskalt ist) und sind später dort vorbeigegangen. Die Bader waren weg, also haben wir uns ans Ufer gesetzt und in die Gegend geguckt.
Wochenend- und Langzeitreisende
Bis ein Herr vorbeikam und uns auf einen Tee einlud. Wie sich herausstellte gehörte er zu einer Gruppe von Campern aus Duschanbe (alles Kollegen), die in der Nähe Ihre Zelte aufgebaut hatten und das Wochenende verbrachten. Auch die Bader gehörten zu Ihnen (beide mit russischem Blut), und aus dem Tee wurden bald ein paar Wässerchen.
Danke, Kolja und Musafa. Dank Euch wissen wir jetzt, daß "Espresso" auch zum Frühstück geht.
Es war ein lustiger Nachmittag, und da wir eine Einladung zum gemeinsamen Plov-Kochen bekamen, zogen wir ganz zu Ihnen (nicht ohne uns mit ein paar Flaschen Wässerchen zu revanchieren).Es wurde ein schöner Sonntag, der Plov wurde mit den Wässerchen weggespült, und die Party am Montag mit einem
Alle schieben mit
gemeinsamen Anschieben des Van´s beendet (die Batterie hat die nächtliche Musik nicht verkraftet). An der Hauptstraße trennten sich unsere Wege, und unsere Freunde ließen es sich nicht nehmen, uns ein Auto bis zu unserem nächsten Ziel zu organisieren. Da das Auto, welches sie anhielten, ein anderes Ziel hatte, bekam der Fahrer den Auftrag, uns den Weitertransport zu organisieren. Obwohl wir ihm versicherten, daß wir das durchaus selber können, hat er das dann auch gemacht und uns das nächste Auto angehalten. So funktioniert das hier. Und so landeten wir im Shiguli von Ali, ein Mittfünfziger, der mit einem Schulfreund unterwegs war und die wohl den dritten Frühling feierten. Es wurde eine lustige Fahrt mit Käse- und Melonenessen, Joghurt- und Bier- (außer Ali) trinken, einer zerfahrenen Felge und viel Fahrspaß. Lieblingsspiel von Ali war, auf den Gegenverkehr zuzuhalten und erst kurz davor rüberzuziehen. Danach gaben sich die beiden "fünf". Aber wir sind gut in Penjikent angekommen und auch die Felge war mit einem Stein schnell wieder in Form gebracht.
Die Kulikalon-Senke
Penjikent selbst ist eine alte Stadt, wobei man zum Erkennen der Altstadt viel Phantasie braucht - die Mauern aus dem 5. Jahrhundert könnten auch Lehmhaufen sein.
Allaoudin-Seen
Der Pass ist erreicht
Hauptsächlich kann man hier Trekkingtouren in die Fan-Mountains organisieren. Das taten wir auch und so waren wir 5 Tage mit Guide Dorob, 2 Eseln und Ihrem Antreiber Said in den Bergen unterwegs. Die Gegend war wieder ausnahmslos phantastisch, wir sind von Tal zu Tal gezogen und haben an herrlichen Gebirgsseen übernachtet. Die Pässe, die wir dafür tags zu überwinden hatten, näherten sich auch wieder der 4000, so daß wir froh waren, daß das meiste die Esel trugen. Außerdem ist das unser Beitrag zur Entwicklungshilfe, der garantiert nicht in dunklen Kanälen versickert.
Die 5 Tage waren schnell vorbei, und mittlerweile ist September - unser Usbekistan-Visum begann zu laufen. Und wir waren bereits 6 Wochen in Tadschikistan, und auch wenn es uns hier sehr gut gefallen hat und wir viele nette Menschen kennengelernt haben - Zeit für Neues!

Da die Grenze in Penjikent geschlossen worden war, mußten wir einen Umweg in Kauf nehmen. Und so hieß unsere letzte Station in Tadschikistan Khojand, eine Stadt am Syr-Darja und in den 7% Flachland gelegen. In dieser Ecke sieht das Land recht wohlhabend aus, was den guten Möglichkeiten für Landwirtschaft und Industrie geschuldet sein dürfte. Außerdem hat man es wohl geschafft, sich im Schutz der Fan-Mountains aus dem Bürgerkrieg herauszuhalten. Hier sind wir im Hotel "Leninabad" untergekommen.
Khojand am Syr-Darja
Das war dann aber auch schon der einzige Hinweis auf die langjährige Vergangenheit. Die im Reiseführer noch als Sehenswürdigkeiten erwähnten Monumente "Hammer und Sichel" oder "Marx und Lenin" oder "Lenin-Statue" waren mittlerweile alle entfernt. Auch so ein geteiltes Land: die Menschen im Pamir hatten uns eine andere Sicht auf die sowjetische Vergangenheit erzählt, von der dort noch einiges mehr erhalten ist.






Dienstag, 3. September 2013

Tadschikistan - Duschanbe


17.08.2013 - 19.08.2013

[Image]
Nach 3 Wochen in der Pamirregion hiess es langsam Abschied nehmen. Unser naechstes Ziel sollte Duschanbe, die Hauptstadt Tadschikistans sein. Dafuer mussten wir aber erstmal dahin kommen.
Unser Favorit war ein Flug (durch die Berge, nicht ueber die Berge) von Khorog, nur leider war dieser schon Wochen vorher ausgebucht. Wir versuchten zwar noch Tickets zu bekommen, aber das war ein sinnloses Unterfangen. Einmal, weil vorher schon Fluege gecancelt wurden (wegen dem Wetter - es wird nur bei absolut bestem Wetter geflogen) und auch deshalb, weil ueberhaupt nicht ersichtlich war, wie der Verkauf der Tickets funktionierte. Da gab es einen Raum mit einem Loch, wirklich einem Loch, in der Wand, das gerade mal so gross war, das man die Augen des "Kunden" sehen konnte. Dahinter sass auch jemand, aber getan hat er nix. So bildete sich nach und nach eine Schlange, jeder guckte mal in das Loch und das war's. Da unsere Russischkenntnisse nur mit Armen und Fuessen funktionieren, gaben wir schliesslich auf. Die Alternative zum 45minuetigen Flug war nun eine Fahrt mit dem Auto - die bis zu 18 Stunden dauern kann (ca. 700 km).
Frueh morgens treffen sich die zukuenftigen Duschanbe-Reisenden auf einem zentralen Platz. Im Normalfall stehen Mitsubishi-Jeeps bereit, die, wenn denn voll (in der Regel 6-7 Personen) die lange Reise beginnen. Die Qual der Wahl hatten wir, immer unter dem Aspekt, bei welchem Auto besteht die beste Chance, dass es schnell voll wird und es losgehen kann. Schliesslich entschieden wir uns fuer einen Jeep, in dem auch ein englischsprechender Tadschike mit seinem Sohn mitfuhr. Dies war auch ein Argument, denn wir haben sehr abenteuerliche Sachen ueber die Strecke und den Strassenzustand gehoert. Und wenn ein Vater mit seinem Kind mitfaehrt, wird hoffentlich auch der Fahrer darauf Ruecksicht nehmen - so meine Gedanken.
Schliesslich starteten wir kurz nach 8.00 Uhr mit 8 Erwachsenen (davon zwei Amerikanerinnen, die in Georgien an einer internationalen Schule arbeiten) und 2 Kindern.
[Image]
Packen fuer die Fahrt nach Duschanbe
Mit einer einstuendigen Pause zum Mittagessen brauchten wir fuer die Strecke schliesslich 13 Stunden, also gegen 22.00 Uhr waren wir in Duschanbe.
Die Strasse hielt dabei, was sie versprach: unbefestigt,
[Image]
Rough Road
staubig, teilweise enge Kurven. So ist man immer nahe daran in den Fluss Pyanj (Vorlaeufer des Amu Darja) zu fahren. Wir haben aber einen guten Fahrer erwischt, der zwar auch immer mit dem Handy oder dem MP3-Player rumhantierte, aber trotzdem einen sicheren Eindruck hinterliess (das Gefuehl hatten wir nicht immer, bei den vielen Fahrten die wir machten).
Sehr beeindruckend war auch noch die andere Seite des Flusses. Dort befindet sich Afghanistan welches hier, im Gegensatz zum Wakhan-Tal, viel belebter wirkte. Die Menschen haben hier in die steilen Felsen der Pamirberge Wege gehauen und gebaut, die sehr atemberaubend und schwindelerregend aussahen. Leider haben wir davon kein Foto.
So, wir sind in Duschanbe und haben uns ein Zimmer im zentral gelegenen und von aussen sehr solide aussehenden Hotel "Vakhsh" genommen.
[Image]
das Hotel "Vakhsh" - von aussen
Die Zimmer sind sehr einfach und spartanisch eingerichtet, das Bad eine Baustelle und der Putz broeckelt von den Waenden, aber es gibt Etagenfrauen (sogenannte Deschurnajas), mit teppichbelegte Treppen und ein Hauch von Geschichte.

[Image]
der Eingangsbereich,...
[Image]
unser Zimmer,...
[Image]
und das Bad (sehr nett)
      
Waehrend des Buergerkrieges Anfang der 90er Jahre war das Hotel von Rebellen der Mudschahedin besetzt und auch beschossen wurden. Davon sieht man heute aber nix mehr.
Von hier aus erkundeten wir die Stadt, und landeten als Erstes bei einem Essen zum Gedenken an einen Verstorbenen. Eigentlich waren wir auf der Suche nach einer Fruehstuecksmoeglichkeit und da war fuer uns das gleich nebenan liegende Restaurant "Vakhsh" eine erste Anlaufstelle. Dort waren die Tische alle reich gedeckt mit Brot, Keksen, Suessigkeiten, Obst und und und. Da alle Leute dort fein gekleidet herumliefen, legten wir gleich den Rueckwaertsgang ein - aber zu spaet - man hatte uns entdeckt. Wir wurden eingeladen und der Gastgeber erlaeuterte uns, dass es hier so sei, dass nach dem 40. Tag des Todes eines Angehoerigen ein Essen fuer Alle gegeben wird. Jeder der moechte (oder wie wir, "zwangsverhaftet" wird) kann daran teilnehmen. So hatten wir das beste Fruehstueck und ein interessantes Gespraech mit dem Gastgeber, der in den USA lebt. Wir sprachen ueber alles Moegliche, von Durchschnittseinkommen, ueber Arbeitsbedingungen bis zu Sinn und Unsinn von Gentechnik, immer wieder durch ein muslimisches Gebet unterbrochen.
Danach waren wir gestaerkt fuer die Stadterkundung. Das Zentrum bildet die Rudaki-Strasse. Um sie herum befinden sich Gebaeude, die gut erhalten und auch sehr modern sind. 
[Image]
Duschanbe Plaza
Diese Modernitaet hatte fuer uns aber auch Folgen. Neben der eigentlichen Stadtbesichtigung hatten wir auch ein paar andere Sachen zu erledigen, z. B. die ersten Postkarten zu versenden. Also, den Stadtplan des Lonely Planet (LP) geschnappt und auf zur Post. Gut gedacht, aber die Post war weg! Eine grosse Baustelle tat sich vor uns auf. Jetzt begann die Suche nach der Post. Nach mehrmaligem Fragen und sich immer naeher herantasten fanden wir sie schliesslich nach einer Stunde ganz unscheinbar in einem kleinen Haus. Jetzt dauerte es aber nochmal 20 Minuten bis wir 3 Briefmarken hatten und die Karten im Briefkasten versenken konnten. Aehnlich erging es uns mit einem Basar, den wir besuchen wollten. Wir liefen durch einen schoen angelegten Park, der sich direkt neben dem neuen Regierungspalast befindet. Und genau auf diesem Gelaende war mal der Basar gewesen. Genau so erging es uns mit der Touri-Info, die aber gar nicht mehr zu finden war. Unser Guidebook ist 3 Jahre alt und ueberhaupt nicht mehr up to date - so schnell ist die Entwicklung hier in Duschanbe. Dabei ist uns aufgefallen, dass die Hauptstadt neu aufgebaut wird, waehrend es im Rest des Landes nicht mal ordentliche Strassen gibt. Andererseits sind manche Dinge noch da, was auch gut so ist. So existiert in Duschanbe (wie in Solingen) ein O-Bussystem, welches in den 50er Jahren (Sowjetzeit) entstanden ist.
[Image]
ein O-Bus
Zu den weiteren Sehenswuerdigkeiten gehoert die grosse Somoni-Statue sowie die Rudaki-Statue. Somoni (so auch die Bezeichnung der hiesigen Waehrung) war der tadschikische Vater der Nation, der Saminidenherrscher Ismail I.
[Image]
Somoni-Statue
Hinter dem Namen "Rudaki" verbirgt sich der Vater der neupersischen Poesie Abu Abdullah Djafar, der von 859 bis ca. 940/41 lebte und in Rudak geboren ist. Diese zwei Namen findet man ueberall in Tadschikistan. Beide Statuen sind von Parks mit vielen Springbrunnen umgeben.
[Image]
Rudaki-Denkmal im Rudaki-Park an der Rudaki-Strasse
Neben dieser alten geschichtlichen Zeit, findet man natuerlich auch noch Denkmaeler aus der Sowjetzeit, vor allem hinsichtlich des 2. Weltkrieges. Zu einem dieser Gedenkstaetten, sollte eine Seilbahn fahren. Wie das Wort "sollte" schon erahnen laesst, ist auch diese bereits seit Jahren ausser Betrieb. Also liefen wir auf den Huegel und sahen uns das Denkmal an, bevor wir uns ein Bier goennten. Der Blick auf die Stadt war leider nicht so gut, da es nicht klar war. Auch ein Panzerdenkmal zur Erinnerung an den 2. Weltkrieg existiert noch.
[Image]
Mahnmal fuer den 2. Weltkrieg
Neben diesen Dingen gibt es natuerlich noch Museen, Theater und eine Universitaet, die wir uns aber nicht angesehen haben - Asche auf unser Haupt.
[Image]
das Drama-Theater
[Image]
Darstellung bekannter Poeten Tadschikistans

Wir genossen nach mehreren Wochen wieder mal einen Cappucchino und Latte Macchiato. Am Abend konnte man schoen draussen sitzen und ein kuehles Bier trinken. 

ein kuehles Bier in Ehren, kann keiner verwehren
Duschanbe ist eine gruene und recht angenehme Hauptstadt, aber nach den 3 Tagen zog es uns weiter.
Bei unserer Abreise wurden wir jedoch "Opfer" einer gerade stattfindenden Konferenz zum Thema "Wasser". Da anscheinend viele wichtige Leute in der Stadt weilten, wurde die Rudaki-Strasse aller Nase lang gesperrt und auch die Busse mussten Umwege fahren. So landeten wir viel zu spaet auf dem Busplatz um noch ein Maschrutka (Sammeltaxi) in Richtung Iskanderkul zu bekommen. Dies hatte zur Folge, dass wir uns einer Menge von Taxifahrern erwehren mussten, die ueber jeden Fahrgast froh waren. Allerdings wollten sie alle Preise, die einem Privattaxi und nicht einem Sammeltaxi entsprachen. Nach einigem Verhandeln entschieden wir uns fuer ein Taxi, leider fuhr dieses auch nicht gleich los. Wir sollten noch 20 Minuten auf zwei weitere Fahrgaeste warten. Aus diesem 20 Minuten wurden schliesslich mehr als 90 Minuten. Als ich mich an den Strassenrand stellte und ein paar mal die Handbewegung wie beim Trampen machte kam Bewegung ins Spiel. Schliesslich fuhren wir doch nur noch mit einem Passagier mehr los. Damit war der Preis dann auch wieder ok.   


Zum Abschluss noch ein Raetsel:

In diesem Brauhaus 







muss Mann oder Frau erstmal das richtige "Oertchen" finden - siehe hier:








Donnerstag, 15. August 2013

Tadschikistan - die Pamirregion

22.07.2013 - 15.08.2013 

Die ersten Stunden verliefen noch auf kirgisischem Gebiet durch ein Flußtal aufwärts. Hinter einem Ort namens Sary Tash weitete sich das Land, und vor uns lag die nördliche Bergkette des Pamir, mit z.B. so bekannten Bergen wie dem Pik Lenin. Leider stauten sich an den Bergen die Wolken, so daß die Spitzen nicht zu sehen waren. Schade. Wir bogen auf den Pamir Highway ein, der hier eine ganz normale einspurige Straße ist. Kurz darauf war die Grenze zu Tadschikistan erreicht. Die Grenzkontrollen dauerten zwar lange, waren aber problemlos. Eigentlich wissen wir das gar nicht, da es der Fahrer erledigt hat (was hier immer so ist, wie wir an jedem Checkpoint gemerkt haben).
Unsere erste Station war am Karakul See. Das ist doppelt gemoppelt, denn "Kul" heisst See.
See
Der Kara-Kul (See)
Es ist ein sehr grosser tiefblauer See in einer durch Ihre Trostlosigkeit beeindruckenden Hochebene auf 3914m. Im Hintergrund sind die Eisriesen des Pamirs zu sehen. Besser wären sie allerdings ohne Wolken zu sehen gewesen...
Wir haben hier in unserem ersten "Homestay" übernachtet. Das ist hier die typische Unterkunft außerhalb der Städte (gibt es aber auch dort). Der Gastgeber hat entweder ein paar Räume für Gäste übrig oder macht einen bei Bedarf frei. Der Rest der Örtlichkeiten wird gemeinsam benutzt und Essen ist auch meist im Preis enthalten.
Wir haben uns noch den Ort angesehen, weiß gestrichene flache Häuser, eine Schule, ein Laden, Brunnen, und uns gefragt, was die Leute hier so tun. Außer das es Versorgungsposten am Pamir Highway ist, züchtet man hier Vieh, welches allerdings derzeit auf den Sommerweiden ist. Deshalb war das Dorf um diese Zeit auch ziemlich ausgestorben.
Am nächsten Tag fuhren wir dann weiter nach Murgab, eine "größere" Stadt am Highway, in einem weiten baumlosen Tal auf immerhin 3500m gelegen.
Das Städtchen Murgab
Hier wollten wir unsere ersten Ausflüge machen. Alles war arrangiert, am nächsten Tag nur noch fix unser 90-Tage-Visum registrieren und ab...  Wurde leider nichts, dieses Visum ist nur in Khorog (300km entfernt) registrierbar, und wir sollen uns beeilen, das auch zu tun. Scheixx Bürokraten, aber als Deutscher kennt man das ja. Also alles abgeblasen, Fahrgelegenheit organisiert und erstmal nach Khorog. Das geht über den Rest des Pamir Highways. Der erste Teil ist immer noch Hochebene, mit sehr schönen Bergformationen dazwischen. Dann geht es hinunter ins Gunt-Tal, und die Landschaft wird echt spektakulär. Rechts eine riesige Wand, links Eisberge mit Namen wie Marx, Engels, Majakowski.
Khorog ist Hauptstadt von GBAO (Berg Badakshan autonomer Oblast) und wesentlich wohnlicher als Murgab. Es ist grün, es gibt wieder Bäume, einen Park. Die Registrierung war mit Hilfe des Jeep-Fahrers schnell erledigt. Ein Homestay auch schnell gefunden. Also kümmerten wir uns um weitere Unternehmungen. Eine sehr interessante Tour ist diese durch den Wakhan-Korridor, ein Tal, welches sich Tadshikistan mit Afghanistan teilt. Da Transport hier teuer ist, hingen wir Zettel zur Suche nach Mitfahrern aus. 
Um die Wartezeit nicht in der Stadt zu verbringen, machten wir in der Zwischenzeit einen Ausflug aufs Land, in ein Tal namens Jizev. Die Fahrt mit dem Auto endete an einem Fluß, an dem eine Seilbahn aufs andere Ufer führte. Keine östereichische Kabinenbahn, sondern ein Holzkasten mit einer Kurbel. Von dort waren es dann 2,5h zu Fuß bergan bis ins erste Dorf. Landschaft wie so oft spektakulär. Gleich im ersten Haus fanden wir Unterkunft - ein ganzes Pamiri-Haus für uns!
"Unser" Pamiri-Haus von innen
So ein Pamiri-Haus sieht von außen aus wie ein eckiger Lehmhaufen mit Fenster, aber von innen: viel Teppiche, 5 Säulen für die 5 Heiligen, eine vierstufige Holzdecke (fur Himmel, Feuer, Wasser, Erde), erhöhte Sitz- und Schlafplätze, Solarlicht, sehr schön. Und es funktioniert gut. Obwohl die Hochlandsonne den ganzen Tag daraufschien, war es abends noch angenehm kühl. Wahrscheinlich funktioniert das auch im Winter andersherum: es soll hier Temperaturen bis -40°C geben.
[Image]
Ein See im Jizev-Tal
Hier haben wir dann Wanderungen den Fluß hinauf unternommen und uns das Leben in den Dörfen angesehen. Auch hier war das Vieh auf der Hochweide, aber da die Böden hier gut sind, wird auch angebaut: Weizen, Gerste, Kartoffeln, Zwiebeln, Tabak. Auf unseren Wanderungen sind wir auch imme wieder zum Tee eingeladen worden. Gastfreundschaft wird im Pamir großgeschrieben.
Zurück in Khorog hatten sich dann auch Leute für die Wakhan-Tour gemeldet, ein schweizer-französisches Paar und eine solo-reisende Schweizerin. Wir einigten uns schnell und es konnte losgehen. Die nächsten 3 Tage ging es dann am Pyanj-Fluß (ein Vorläufer des Amu-Darja) entlang, der hier die Grenze zu Afghanistan bildet.
[Image]
Yamchun-Fort im Wakhan-Tal. Dahinter Afghanistan.
[Image]
Eine wirklich heiße Quelle
[Image]
Geheime Zeichen (Petroglyphen)
Wir haben alte Forts gesehen (das Tal war Teil der südlichen Seidenstraße), uralte Petroglyphen und in heißen Quellen gebadet. Dazu wie immer schöne Landschaften. Leider hat der Hindukusch seine Spitzen viel zu oft in den Wolken versteckt. Am 4. Tag machte leider der Jeep schlapp (Kühlerschaden), zum Glück nahe des Pamir-Highway, und wir haben die Tour mit einem chinesischen Kleinbus beendet. Und so waren wir wieder in Murgab (s.o.) und nahmen unsere früheren Planungen wieder auf. 

Unsere Bekannte vom ersten Aufenthalt, eine kirgisische Studentin, hat dann auch alles wieder angerührt und so fanden wir uns zu einem "Yurtstay" gaaanz weit draußen wieder.
"Unsere" Jurte
Das ist dann sozusagen die schon erwähnte Sommerweide, und außer 3 Frauen und 2 Jungs waren dort noch 40 Yaks und 50 Ziegen und Schafe. Wir sind wieder wandern gewesen (bis auf ~5000m) und haben uns das äußerst einfache Leben angesehen. Das aber anscheinend seinen Reiz hat, da die Familie erst vor einigen Jahren aus Murgab dorthin gezogen ist. Also: man ißt hier viel frisch gebackenes Brot, dazu frischen Yak-Kefir, heizt mit Yak-Fladen (Holz gibt es nicht), wäscht sich im Fluß, und sucht sich zum Kacken einen Platz mit schöner Aussicht. Der Tagesablauf richtet sich nach dem Sonnenstand, und nachts gab es Frost. Uns hat es hier sehr gut gefallen. Wir haben auch schon mal geübt:
Yakmelken; Arbeitskampf inclusive! (Insiderscherz)
Christiane hat ein Yak gemolken [kam sogar was raus :-)] und André eines geritten.
Zurück in Murgab startete gerade ein Festival zu Ehren kirgisischer Pferde mit Reiterspielen und Folklore. Das war recht interessant, auch wenn die Anzahl der Reiter ziemlich klein (12) war. Es ging um das Aufheben von Gegenständen während des Reitens, Kämpfe auf den Pferd (den anderen vom Pferd ziehen) und ein Jungs-Mädel-Reitspiel, das wir leider nicht verstanden haben.
[Image]
Ringkampf zu Pferde

[Image]
Aufheben von Gegenständen - nicht ganz einfach!
Von Murgab ging es dann wieder den bekannten Pamir-Highway zurück nach Khorog, was aber auch beim zweiten mal immer noch eine Augenweide ist (s.o.). Hier ist dieser Bericht entstanden, und wir bereiten die Weiterreise nach Duschanbe bzw. Tadschikistan vor. Die Leute hier legen schon Wert darauf, "Pamiri's" zu sein, was auch dem Bürgerkrieg Anfang der 90er geschuldet ist, als GBAO (die Pamirregion) mehrere Jahre von der Außenwelt abgeschnitten war.

Mittwoch, 14. August 2013

Zentralasien - ein kurzer Abstecher nach Kirgistan

18.07.2013 - 21.07.2013

Kirgistan, nicht so geplant und doch hier gelandet. Da der Flug nach Bischkek nur etwa die Haelfte vom Flug nach Duschanbe gekostet hat, sind wir nun hier angekommen.
Mit Pegasus-Airline, einem tuerkischen Billigflieger, landeten wir frueh um 4.00 Uhr in Bischkek. Mit dem “Airportbus” , der bei sieben Passagieren, schon kaum mehr Platz fuers Gepaeck hatte, fuhren wir zum Osch-Basar. Mit uns eine Gruppe junger Polen, die ebenfalls nach Osch wollten. So taten wir uns zusammen und sahen uns nach einer Transportmoeglichkeit um. Die war auch relativ schnell gefunden, aber gefahren sind wir erst gegen Mittag. Erst mussten die Polen noch fuer ihre geplante Tour zum Peak Lenin Gas besorgen, was laenger gedauert hat, als gedacht. Dann brauchten wir Zeit um unser ganzes Gepaeck zu verstauen, wobei unsere Rucksaecke den kleinsten Teil einnahmen.
Wie kriegen wir das bloss alles da rein?
Als es endlich soweit sein sollte, kamen uns nun auch noch Polizisten (echte oder falsche – wir hatten keine Ahnung) dazwischen. Wir behielten unsere Paesse fest in den Haenden, so wie die auch ihre “Dienstausweise” nicht hergaben. Naja, nach ein bisschen Smaltalk und etwas genauerem untersuchen der Polen waren die weg – allerdings auch unser Fahrer. Das hiess wieder warten und wir hatten doch noch 600 km vor uns!
Die Fahrt selber fuehrte dann von ca. 800m Hoehe ueber eine Serpentinenstrasse in die Berge. Kurz vor einem Pass durchfuhren wir einen Tunnel, der nie und nimmer vom ADAC als auch nur ausreichend bewertet werden wuerde. Er war lang, dunkel, schmal und irgendwie waren wir alle froh, als dann, nach einer halben Ewigkeit, wieder Licht zu sehen war. Danach ging es gemaessigter bergab, wir sahen die ersten Jurten und kirgisischen Pferde. Am Strassenrand wurde Pferdemilch verkauft.
Die Strasse nach Osch
Nach ca. 11 Stunden kamen wir endlich in Osch an, wieder auf 800m Hoehe. So, jetzt hiess es nur noch eine Unterkunft finden. Uns half dabei eine Restaurantbesitzerin, die im “Osch-Guesthouse” anrief und uns so den Weg zeigen konnte. Da es schon lange dunkel war, war er gar nicht so leicht zu finden. Das Gasthaus befindet sich in der 4. Etage eines Neubaublocks, auch als Platte bekannt, und ist Mini. Aber es ist der Anlaufpunkt der Rucksackreisenden und somit ein wichtiger Ort, den man kennen sollte.
Ein Zimmer bzw. Bett war dort allerdings nicht frei und so gingen wir in einen anderen Block und bezogen ein Bett auf dem Balkon und die Couch im Wohnzimmer.
unsere erste Bleibe - vorn die Couch, im Hintergrund der Balkon
Gleich am anderen Morgen zogen wir aber wieder um, in ein einfaches Zimmer mit eigenem Bad im Hotel “Taj Mahal” – es war sogar noch ein stueckchen preiswerter.
Unser Hauptanliegen in Osch war es, Leute zu finden, mit denen wir einen Jeep nach Murgab (Tadschikistan) teilen und wenn moeglich auch noch eine Nacht am Karakul-See (hoechster See Tadschikistans)  bleiben konnten. In Osch beginnt der beruehmte, zu sowjetischen Zeiten gebaute, Pamir Highway, der bis Khorog in Tadschikistan geht. Unser Ziel Murgab ist von Osch ca. 420 km entfernt. Die Organisation des Jeeps und die "Zusammenfuehrung" von Interessenten lief dann ueber das Osch-Guesthouse, dessen Besitzer (eindeutig Moslem) Deutsch sprach , sehr nett war und uns somit sehr geholfen hat. Es fand sich ein Paar (Englisch/Amerikanisch), die ebenfalls fahren wollten und so hatten wir das schneller erledigt als gedacht . Deshalb hatten wir noch Zeit uns Osch anzusehen.
Osch, der Ueberlieferung nach ueber 3000 Jahre alt, liegt am Rande des Ferghana-Tals. Von diesem Alter ist leider nicht viel zusehen, im Gegenteil, es ueberwiegen die russischen Neubauten.
der Neubaublock, in dem auch unser Zimmer war
Aus der moderneren Zeit kann man sich Statuen ansehen, auch noch von W.I.Lenin.
W. I. Lenin
Alisher Navoi











Ausserdem gibt es einen Hausberg, der sich Thron von Suleiman nennt. Von diesem hat man einen schoenen Blick ueber die Stadt.  Fuer die Einheimischen ist es ein wichtiger Pilgerort und sogar in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.
Thron des Suleiman
Ansonsten haben wir die Zeit auf dem Basar (Zahnpasta gekauft) und  einem Park verbracht. In dem Park gab es viel Spiel und Spass fuer Kinder, schachspielende Kirgisen und Eis!!!
frisches Brot auf dem Basar
Schaschlik im Park
Kulinarisch war es nicht allzu spannend.  Es gibt hier Kebab und Schaschlik, eine Art Nudelsuppe (Lagman) und mit Fleisch gefuellte Teigtaschen (Manteu, gekocht; Samsa, frittiert).
die Moschee von Osch
gekochte gefuellte Teigtaschen - Manteu
 Am 21.07.13 ging es dann frueh los Richtung Tadschikistan, davon spaeter mehr...