Dienstag, 29. Oktober 2013

Kirgistan - heiße Quellen, Kafe und Café

09.10.2013 - 28.10.2013

Damit waren wir mit unseren Vorhaben für Naryn schon fertig. Kenner werden jetzt sagen, da ist doch noch der Song Köl, allerdings sind um diese Zeit die Hirten mit ihren Herden schon abgezogen, und nur wegen des Sees wollten wir den Aufwand nicht treiben.

Gruß aus China (in Karakol)


Orthodoxe Kirche in Karakol
So hieß unsere nächste Station Karakol, zwischen dem See Issyk Köl und dem Tien Shan Gebirge gelegen. Leider war das direkte Marschrutka an dem Tag bereits übervoll und hat uns nicht mehr mitgenommen. Aber ein Sammeltaxi suchte förmlich nach uns, um uns die erste Hälfte der Strecke mitzunehmen. Es war ein alter Audi 100 (die eckigen), den lieben die Kirgisen. Er kommt angeblich mit den schlechteren Straßenabschnitten am Besten klar. Und tatsächlich, bis auf einen leichten Benzingeruch war die Fahrt vollkommen unspektakulär.

Issyk Köl nahe Karakol
Noch unspektakulärer war der zweite Streckenabschnitt in einem Marschrutka entlang des Issyk Köl, durch die mittlerweile verlassenen Badeorte, auf guter Straße. Nicht mal Benzingeruch.

Altyn Arashan
Karakol als DEN Startpunkt für Trekkings hatten wir uns etwas anders vorgestellt. Die Berge schienen noch ziemlich weit weg, und auch sonst sah es aus als ob die Zeit vor ein paar Jahren stehengeblieben wäre. Aber es gab alles was ein Tourist so braucht, eine gute Touristeninfo, Banken und ein paar Kafe´s, in denen hier allerdings Schaschlyk, Lagman, Tee und Bier serviert wird (aber nie Kaffee und Kuchen). Am Issyk Köl sind wir natürlich auch gewesen und haben die Zehen ins Wasser gehalten. Baden wäre aber schon ziemlich frisch geworden, die Saison war aus gutem Grund vorbei. Deshalb haben wir uns wieder mal dem Trekking zugewendet, der anderen Hauptbeschäftigung hier. Ein ebenfalls lange reisendes Schweizer Pärchen hatte uns die Gegend wärmstens empfohlen, da bei Ihnen Heimatgefühle aufgekommen sind. Es soll aussehen wie in der Schweiz. 

Die Badeanstalt
Und tatsächlich sind wir nach Altyn Arashan lange durch Nadelwälder gewandert, was wir so bisher hier in Zentralasien noch nicht gesehen haben. Allerdings war auch hier die Saison zu Ende, und während die Tage noch schön warm waren, wurde es nach Sonnenuntergang sofort frisch. Und nachts richtig frostig. Gut, daß zur Unterkunft heiße Quellen gehören - herrlich an einem sehr kühlen Abend richtig heiß baden zu können!



Przewalski's Grab nahe Karakol
Auch sehr interessant ist das Przewalski- Museum in Karakol. Przewalski ist hier begraben, und bekannt ist er am meisten durch das Ur- Pferd, das nach ihm benannt ist. Seine Verdienste sind jedoch mehr, den gesamten zentralasiatischen Raum erforscht zu haben. Damals (im 19. Jahrhundert) war das noch nicht so einfach, wie wir es jetzt haben. Da waren die Transportmittel der Wahl Pferd und Fuß. Das macht das Ganze in dieser Gegend zu einer anderen Nummer als den Klingenpfad zu erwandern.

Ala Too Platz in Bishkek
Die Badeorte am Issyk-Köl haben wir ausgelassen, so daß wir direkt in Bishkek gestrandet sind. Die Entscheidung zu unserer Weiterreise steht an. Wir brauchen wieder mal Luftveränderung. Und anderes Essen. Gibt es China-Visa oder nicht? Es gibt wieder welche!!! Und zwar ganz ohne vorgeplante  Reiseroute und Flugbestätigungen, dafür aber mit einer chinesischen Einladung. Schwierig? Nein, nicht doch. Dafür wurden wir gleich an die Vertreterin einer chinesischen Reiseagentur verwiesen, die das in Ihre Hand nahm. Ganz ohne Verpflichtung, auch eine Tour zu buchen. 

Bishkek vor seiner Bergkulisse
Chinesen können so pragmatisch sein. Nur eine Belehrung, uns an die chinesischen Gesetze zu halten, da sonst die Agentur Strafe zahlt. Dem Visapreis nach zu urteilen, haben wohl schon einige Klienten Tibetfahnen geschwenkt. Es war das teuerste Visum, das wir je hatten. Warum es aber den ganzen Sommer keine Visa gab, haben wir nicht herausgekriegt. Urlaubszeit und Staatsbesuch als Begründung macht keinen Sinn.
So saßen wir mehr als eine Woche in Bishkek fest. Auch wenn die Sehenswürdigkeiten nicht reichlich gesät sind, kann man es hier gut aushalten. Man kann Stadtbummel machen, Cafė's (richtig, solche mit Kaffee und Kuchen) besuchen, Ausrüstung in Ordnung bringen (lassen), Museen angucken. Da sich hinter Bishkek gleich die Berge türmen, hätte man auch noch Touren machen können, aber dazu hat die knappe Zeit dann doch nicht gereicht. 
Apropos Ausrüstung in Ordnung bringen lassen: Hier wird ALLES repariert. Außer Autos auch Schuhe, Telefone, Fernseher, Küchengeräte, DVD-Player, Kameras, Kleidung... Reparaturgeschäfte gibt es dutzendweise. Und so war mein böse aufgerissener Rucksack schnell wieder in Ordnung gebracht. Hier darf sich unser Kulturkreis ruhig etwas abgucken.
Unser Zentralasienausflug endete dort, wo er vor mehr als 3 Monaten richtig angefangen hatte: in Osh. Von hier aus wollen wir über den Irkeshtam-Paß nach China einreisen. Wir sind schon neugierig, wie China in dieser Ecke aussieht.


Felsformation nahe Karakol
Burana-Turm nahe Bishkek (in Tokmok)
Eine der zeitraubendsten Tätigkeiten des Travellerlebens:
warten bis das Sammeltaxi voll ist ... 
Gefrorene Bäche am Morgen (Altyn Arashan)

Dienstag, 8. Oktober 2013

Kirgistan - Berge und Walnüsse

29.09.2013 - 08.10.2013

Welcome to Kirgistan!
So wurden wir an der Grenze vom freundlichen Beamten empfangen und so war auch der Stempel schnell im Pass und wir konnten unser drittes Land in Zentralasien erkunden.
Das Erste was auffiel, das Marschrutka nach Osh kostete nur 16 Som. Endlich konnten wir wieder mit normalen Geldmengen hantieren. Von den usbekischen Sum sind nur 2000 übriggeblieben, was einem Wert von 0,57 Euro-Cent entspricht.
In Osh hatten wir dann Mühe, die Busse nach Jalal-Abad zu finden. Kurzerhand haben sie dort die Hauptstraße komplett, aber auch wirklich komplett gesperrt. Dummerweise lag gerade dort die Busstation. Also schlossen wir uns den, auch hilflos wirkenden Einheimischen an, und suchten unseren Weg um ein Marschrutka zu finden. Da ging es auch mal quer durch Sandhaufen oder hinter Garagen entlang.
Eher durch Zufall fanden wir dann die Marschrutkas, obwohl wir uns schon auf ein Shared Taxi vorbereitet hatten (da fehlten allerdings noch 5  Passagiere - das hätte dauern können ). Durch diese Sucherei hatten wir viel Zeit verloren, so dass wir in Jalal-Abad direkt ein Taxi für die letzten 200 km nach Arslanbob nahmen, wo wir dann auch erst im Dunkeln ankamen.
Arslanbob
Arslanbob - das Zentrum von mehreren Dörfern und doch selber auch ein Dorf geblieben. Es liegt sehr schön umringt von Bergen, die bis ca. 3500 m hoch reichen und somit auch einige Trekkingoptionen bereit halten. Bekannt ist Arslanbob aber für seine Walnüsse. Hier gibt es die größten zusammenhängenden Walnußwälder der Welt (ca. 16.000 ha).
Walnußwald im Herbst
Eine Geschichte besagt, dass Mohammed einem bescheidenen Gärtner den Auftrag gab, das Paradies auf Erden zu finden. So reiste der Gärtner durch viele Länder und kam zu einem malerischen Tal, umrahmt von Bergen und bewässert durch Bergflüsse, aber ohne Bäume. Hocherfreut über diese Entdeckung, schickte der Prophet dem Gärtner einen Sack voll Nuss- und Fruchtsamen, die dieser von einer Bergspitze aus verstreute. So wachsen hier nicht nur bis zu 150 Jahre alte Walnussbäume, sondern auch Apfel-, Kirsch-, Pflaumen- und Pistazienbäume.
Geschichtlich eher bewiesen ist, dass Alexander der Große in diesen Wäldern sein Jagdrevier hatte. Als er nach Griechenland zurück ging, nahm er die kirgisischen Nüsse mit. Mit diesen wurden die europäischen Plantagen bepflanzt, und so werden sie heute fälschlicherweise "griechische Walnüsse" genannt.
Im September/ Oktober ist hier Erntezeit. Ernte heißt, einer klettert auf den Baum und schüttelt die Nüsse herab, die Anderen sammeln sie unter dem Baum auf. Früher erfolgte dies in sowjetisch Zusammenarbeit. Wir hatten allerdings nicht den Eindruck, dass das schlecht war. Ein Mitarbeiter des CBT (Community Based Tourism) erzählte uns, dass vor der Ernte immer, in einer Art Zeremonie, für eine gute Ernte und die Gesundheit der Menschen gebetet wurde - natürlich außerhalb der sozialistischen Regeln. Hierfür wurde zum Beispiel ein Schaf geschlachtet und gemeinsam verspeist. Heutzutage sind die Wälder an einzelne Familien verpachtet, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Da bleibt oft keine Zeit mehr, für aufwendige Feste oder Zeremonien, denn auch hier ist die Devise "Zeit ist Geld" bereits angekommen. Dies sah der Mann von CBT als einen Grund, warum sich die Unfälle bei der Ernte häufen. Es klettern auch Leute auf die Bäume, die dies besser nicht tun sollten. Eine Woche vor unserer Ankunft soll ein Mann gestorben sein, als er vom Baum fiel und auf einen Eisenzaun stürzte (den es früher auch nicht gab).
Die Walnußwälder wollten wir uns natürlich auch ansehen und so organisierten wir uns hier zwei Tagestouren. Die Erste führte uns in den Wald, der schon recht herbstlich wirkte. Leider war er nahe beim Dorf und die Ernte hier schon beendet. Der Wald erinnerte uns an unseren Laubwald, allerdings störten uns die Zäune.
Vor und nach dem Wald wanderten wir zu zwei Wasserfällen, der eine 24m hoch und der Zweite ganze 80 m hoch. Zu diesem mussten wir einen steilen Anstieg erklimmen und auch wirklich ganz nah an die Kante gehen, um überhaupt das Wasser auf dem Boden ankommen zu sehen. Der Letztere war sehr beeindruckend, auch wenn ich schon wieder Bammel vor dem Abstieg hatte (ist aber alles gut gegangen).
 
Wasserfall: 24 m
Wasserfall: 80 m
Die zweite Tour führte uns zu den sogenannten Jailoos, was Sommerweide bedeutet. Auf einem Berg befindet sich dort ein heiliger Felsen. Dieser hat diesen Status, weil im 11. Jh. ein heiliger Mann jeden Tag dort hinauf ging, um zu beten. Als dieser starb, war der Felsen für die Menschen hier vor Ort heilig und es werden auch heute noch Feierlichkeiten dort abgehalten.  Da es wieder steil bergauf ging, ging ich nicht mit bis ganz hoch.
Der Heilige Felsen
Der Felsen befindet sich auf ca. 3000m Höhe, während Arslanbob auf ca. 1400 m liegt. Ich stieg bis ca. 2400m mit auf, wartete dann aber auf einem Plateau auf die Beiden. Als wir wieder auf der Sommerweide ankamen, die hier viele Quellen hat, war unser Mittagessen schon fertig. Ich erwähne dies hier nur, weil wir hier das beste Schaschlik (Щашлык) hatten, was wir bis dahin gegessen hatten - super zartes Fleisch und lecker gewürzt. Gewürze sind sonst eher selten.
die leckeren Schaschliks
Bevor wir Arslanbob "Lebe Wohl" gesagt haben, wollten wir uns noch den wöchentlichen Viehmarkt anschauen. Man sagte uns, wir müssten dazu zeitig aufstehen, da dieser bereits um 7.00 Uhr startet und gegen 10.00 Uhr bereits beendet ist. Also gingen wir gegen 7.30 Uhr (ohne Frühstück!!!) dort hin und...   waren enttäuscht. Gerade mal 3 Kühe standen dort und ein paar Männer. Doch kurze Zeit später ging es richtig los. Der Markt füllte sich zusehends mit Kühen, Schafen und Ziegen, auch ein paar Pferde waren darunter. Die Ankunft erfolgte zu Fuss, auf zwei und vier Beinen, auf der Pritsche von kleinen chinesischen Transportern oder auch mal im Kofferraum eines ganz normalen Audis. Die Verhandlungen werden hier solange geführt, wie sich der Verkäufer und der eventuelle Käufer die Hände halten. Wir konnten jedoch kein erfolgreiches Geschäft erkennen, jedenfalls ließ die Mimik und Gestik eher was anderes vermuten. Eine wichtige Regel auf einem solchen Markt ist aber, stehe nie zu nah an einer Kuh, denn wenn diese sch..., das spritzt schon ganz gut.
auf dem Viehmarkt in Arslanbob
Wir schauten uns das Treiben noch eine Weile an und gingen dann frühstücken, bevor wir Arslanbob verließen.
Wir fuhren zurück nach Jalal-Abad. Hier organisierten wir unsere Weiterreise, füllten unsere Geldvorräte auf und checkten unsere Mails (Danke an Alle, die uns geschrieben haben). Außerdem genossen wir ein Bierchen, welches es in Arslanbob (sehr islamisch konservativ) nicht gab. Mit einem Sammeltaxi ging es den nächsten Morgen nach Kazarman. Die Fahrt in einem neueren Wolga war unspektakulär (die Landschaft ist aber immer wieder schön) für hiesige Verhältnisse, ein bisschen Kühlerwasser nachfüllen und am Ende den Auspuff verloren - das wars, oder anders ausgedrückt - нормалны (total normal!).
Melonen-an der Straße nach Kazarman
In Kazarman blieben wir nur eine Nacht. Die Stadt besteht im Großen und Ganzen aus einem Neubaugebiet und einem eher dörflichen Teil, hat einige Läden, zwei Restaurants und früher auch mal einen Flughafen. In der Nähe gibt es eine Goldmine, die ca. 1000 Menschen ein Einkommen sichert. Wovon die anderen Leute hier leben, wenn sie nicht Lehrer, medizinisches Personal oder Verwaltungsangestellte sind, haben wir nicht rausgefunden.
unsere Dusche in Kazarman
Am nächsten Tag fanden wir recht schnell ein Sammeltaxi zu unserer nächsten Station. Das Wort Sammeltaxi passt hier wie Faust auf Auge. Wir sind es ja gewohnt zu warten, denn diese Taxis fahren erst, wenn auch der letzte Platz belegt ist. Aber diesmal war es anders. Das Warten war sehr abwechslungsreich - wir fuhren im Ort hin und her, kehrten bei einer Familie zu einem zweiten Frühstück ein. Hier gab es richtigen Kartoffelsalat
- den haben wir natürlich aufgefuttert.
der Kartoffelsalat
Später fuhren wir zu einer Jurte, in der die anderen Passagiere wohl den Segen für die anstehende Fahrt bekamen. Das Ganze dauerte dann ca. 3 Stunden, bevor es dann doch losging. Diesmal verlief die Fahrt nicht ganz "нормалны" - wir hatten einen Platten, kein brauchbares Ersatzrad, verheizten ein Notrad, borgten uns ein zweites Notrad und letztendlich gingen auch noch zwei Radbolzen bei der Bastelei kaputt. Um überhaupt noch vorwärts zu kommen, mussten wir etliche Kilometer lang, weitab jeder Siedlung, immer wieder den Reifen aufpumpen.
... bei der Arbeit!
Als kleines Dankeschön gabs Wodka, aber leider keinen Preisnachlass. Aber, wie bisher immer, wir kamen da an wo wir wollten und das hieß in diesem Fall - die Stadt Naryn.
Naryn ist Ausgangspunkt für Besuche des Song Köl und nach Tash Rabat. Wir entschlossen uns nach Tash Rabat zu fahren und dort zwei Nächte in einer Jurte zu schlafen. Von hier aus machten wir eine Tagestour entlang der Seiden"Straße" zu einem Pass, von dem man den Chatyr-Köl, einen Bergsee, sehen konnte. Die Tour war technisch nicht schwer, aber der starke Wind, der an diesem Tag wehte, blies die eh schon knappe Luft auch noch vom Munde weg. Ein anstrengender, aber schöner Trip. Wieder bei den Jurten bekamen wir ein reichhaltiges Abendessen, welches von der Frau der Familie zubereitet wurde, die das Camp mit den Jurten betreut. Mitte Oktober werden sie die Jurten abbauen, in den Wohnwagen (in dem sie jetzt wohnen) packen und in ihr Haus zwei Dörfer ziehen, bis das nächsten Frühjahr kommt.
im Bauwagen der Gastfamilie
Tagsüber waren die Temperaturen voll ok, nachts fielen sie auf bis zu -6 Grad. Aber mit dem Yak-Scheiße-Ofen
der Yak-Sch...-Ofen
in der Jurte war das kein Problem, wir konnten sogar im T-Shirt sitzen und z. B. Bilder aussortieren. Nur das Aufstehen am nächsten Morgen viel etwas schwer, aber dies sind wir ja aus der Winterzeit in unserer "Solinger Jurte" gewohnt. Hier hatten wir auch Gelegenheit das Nationalgetränk zu probieren. Kumys ist fermentierte Stutenmilch, die schon einen sehr eigenen Geschmack hat, also nicht wirklich kompatibel zu europäischen Geschmacksnerven ist.
Kumys unter Freunden










Gleich neben dem Jurtencamp steht eine alte Karawanserei aus dem 15. Jahrhundert, die wie eine im Sand versunkene Moschee aussieht. Es gibt auch Aussagen, dass diese Karawanserei ursprünglich ein christliches Kloster aus dem 10. Jahrhundert gewesen sein soll.  Karawansereien waren zu Zeiten der Seidenstrasse die Hotels für die Reisenden, hier gab es Schlafgelegenheiten, zu essen und die Tiere konnten versorgt werden.
die Karawanserei von Tash Rabat

Auf dem Weg nach Tash Rabat hatten wir nochmal die Gelegenheit einen Viehmarkt in At-Bashy zu besuchen. Dieser war schon eine andere Kategorie als der in Arslanbob, viel größer - mehr Tiere und mehr Menschen.
der Tiermarkt von At-Bashy
Neben den Tieren (wieder Kühe, Schafe, Ziegen, Federvieh und viel mehr Pferde), gab es hier auch alles drumherum, z. B. Zaumzeug und Sättel, aber auch Waren des täglichen Bedarfs, so auch Alkohol .
Aber nicht nur auf den Viehmärkten haben wir die Tiere gesehen, sondern auch auf den riesigen Weiden des Landes. So sollten glückliche Kühe, Schafe und Pferde leben dürfen.
Yaks in Kirgistan



Pferde in Kirgistan

Wieder in Naryn bezogen wir eine 3-Zimmer-Wohnung in einem Neubaublock. Eigentlich für bis zu 6 Touristen gedacht, hatten wir die Wohnung für uns alleine und begingen hier unseren 100. Tag unserer Reise bei einem Glas kirgisischen Rotwein.

100 !!!



Usbekistan - Taschkent

23.09.2013 - 28.09.2013 

Nach Taschkent sind wir zurückgeflogen. Wir geben es zu (siehe letzter Post), aber wir stehen unter Zeitdruck - wir müssen versuchen unser Chinavisum zu bekommen und das usbekische Visum läuft aus. Streß pur. Wie wir von Freunden gehört haben, werden in Bishkek momentan keine China-Visa für Ausländer erteilt, deshalb müssen wir es hier versuchen. Da der Flug von Nukus nach Taschkent erst spät abends ging, haben wir leider nichts von Usbekistan sehen können.
Taschkenter Innenstadt
Taschkent empfing uns mit Großstadtfeeling, viel Verkehr und Straßenlärm. Das war erst einmal ziemlich ungewohnt, selbst Samarkand wirkte dagegen provinziell (hoffentlich liest das kein Samarkander). Die alten Sehenswürdigkeiten halten sich auch in Grenzen, zumal Taschkent 1966 bei einem Erdbeben großflächig zerstört wurde. So ist dann eine Sehenswürdigkeit das Erdbebendenkmal. Das Zentrum hat viele neue Gebäude und ist sehr weiträumig angelegt, Moskauer Architektur läßt grüßen.
"Germania" im Eisenbahnmuseum
Apropos Moskau: Auf jeden Fall sehenswert ist die Metro in Taschkent. Wer die Moskauer Metro kennt, wird jetzt müde lächeln: Aber die Stationen sind sehr geschmackvoll gestaltet, nie langweilig und immer anders. Es fängt an mit Verzierungen an den Säulen über aufwändig gestaltete Kronleuchter bis zu Themenstationen wie "Kosmonaut" mit Gemälden von Ikarus, Ziolkowski und Gagarin. Leider gibt es davon keine eigenen Foto's, da die Metro Bunker im Ernstfall sein soll und Fotos verboten sind. Das Internet wäre aber nicht das Internet, wenn sich nicht trotzdem Bilder finden ließen.
Das Erdbebendenkmal
Die Zeit hier ist trotzdem schnell vergangen. Es gibt hier sehenswerte Kirchen (orthodox und evangelisch),
Orthodoxe Kirche in Taschkent
einen Peace-Park, ein Eisenbahnmuseum. Noch ein kurzes Wort zum Peace-Park: Hier haben Kinder aus Taschkent und Seattle in den 80iger Jahren Fliesen gestaltet unter dem Motto Frieden und Freundschaft. Mit diesen Fliesen wurden in dem Park Baumumrandungen gestaltet und dies kann man sich heute noch ansehen. Was aus diesen Kiddis wohl geworden ist?
Außerdem war Spätsommer: in Taschkent hieß das etwa 40 Grad. Da haben wir dann auch längere Zeit bei einem kühlen Bier verbracht. Ansonsten wird es auch hier Herbst: das Laub und die Kastanien fallen von den Bäumen und die Temperaturen sind auch wieder auf erträgliche 27 Grad gesunken.
Im Seattle Peace Park
Außerdem, wichtig für manch potentiellen Reisenden, gibt es in Taschkent ein Restaurant namens "National Food". Dort kann man so ungesund essen, daß man meint in einer bayrischen Schmankerlstube zu sitzen. Heißt, die Fleischportionen sind riesig und fettig ("bis das Fett die Mundwinkel runterfließt") und das drumherum kommt über homöopathische Mengen nicht hinaus. Unter dem Publikum fanden sich demzufolge auch entsprechende Formate...
Und ohne Lästern: die zentralasiatische Suppe names "Shorpa"war eine der Besten die wir je hatten. Ansonsten siehe oben. Und die offene Küche ist sehr sehenswert. Allerdings haben wir erst nach dem Essen begriffen, dass man auch das Alles auf den Teller bekommt, was in den riesigen Töpfen ist. Fressen bis zum Umfallen.
Pfannen im "National Food"

Da unser Usbekistanvisum langsam auslief, setzten wir uns in Bewegung Richtung Ferganatal und Kirgistan. Auf dem Weg dahin haben wir tatsächlich Berge in Usbekistan gesehen. Die letzte Nacht auf usbekischer Seite haben wir in einer Stadt namens Andijon verbracht. Bekannt ist sie 2005 geworden, als islamische Demonstrationen sehr blutig von der Regierung beendet wurden.
Daß die Stadt sehr islamisch geprägt ist, haben WIR speziell daran gemerkt, daß es sehr schwer war ein Bier zu bekommen. Ansonsten ist, wie sonst auch, in Usbekistan von der Religion im täglichen Leben nicht viel zu spüren gewesen.

Das Chinavisum haben wir trotz zweier Anläufe nicht bekommen. Die Schlangen waren lang, Studenten haben merkwürdigerweise Vortritt (alle Beteuerungen, wir seien auch welche, halfen nicht ), und als wir beim zweiten Versuch dann doch hineinkamen, wurden wir mit Hinweis auf unser demnächst ablaufendes Usbekistanvisum abgewiesen. Express-Service ist angeblich nicht möglich. Das war einfach für die Dame am Schalter uns abzuwimmeln. Denn auch in Taschkent ist es kaum noch möglich ein China-Visum zu bekommen, wie uns andere Reisende mitgeteilt haben.

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Usbekistan - Karakalpakstan oder die Kehrseite des Fortschritts

17.09.2013 - 22.09.2013 

Nach 3 Städten mit viel Geschichte und alten Bauwerken war es Zeit für andere Themen. Da war doch nochwas, das viele Wasser vielleicht, welches die Wüsten Kysylkum und Karakum begrünt? Da die Flüsse nicht ins Meer fließen, muß es doch irgendwo fehlen...
Also brachen wir von Khiva in Richtung Moynak auf. Moynak ist auf älteren Karten am Ufer des Aralsees gelegen, und nannte sich Fischerdorf. Heute soll es das nicht mehr sein. Auf dem Weg dorthin überquerten wir auch wieder den Amudarja, immer noch ein stattlicher Fluß in mindestens Rheingröße. Kaum zu glauben, daß ihm auf den letzten 200km die Puste ausgehen soll.
Zwischenstation auf dem Weg nach Moynak war die Provinzhauptstadt Karakalpakstans, Nukus. Ein gesichtsloses Städtchen ohne alte Bauten.
Savitzki-Museum Nukus
Aber mit einem sehr bekannten Museum mit einer Sammlung sowjetischer Kunst, die zu Stalins Zeiten nicht erwünscht war, aber hier weitab von Moskau erhalten geblieben ist. Wir haben es uns angesehen, allerdings reicht unser Kunstverständnis zugegebenermaßen nur zur Unterscheidung in "schön" und "weniger schön". Aber es gab auch Gemälde zum Aralsee zu sehen, das war natürlich interessant für unser nächstes Ziel.
Da die Preise für eine Aralsee-Tour budgetbrechend sind, gingen wir wieder auf die Suche nach Mitreisenden und konnten auch wieder ein Grüppchen zusammenstellen. Mit einem Usbeken und einem Amerikaner gingen wir auf Tour.
Wenn man Artikel über die Gegend liest, ist meist von Apokalypse die Rede. Angeblich wächst schon in Nukus (200km vor Moynak) kein Pflänzchen mehr (FAZ-Artikel, im Savitzki-Museum zu lesen). Nukus ist weit grüner als es die Lage natürlicherweise gestatten würde. Die Apokalypse ist dann auch bis kurz vor Moynak ausgeblieben, wir konnten Landwirtschaft sehen, und es standen Kühe auf der Weide. Es ist überhaupt nicht nötig Katastrophen auch noch zu übertreiben.
Ortsanfang von Moynak
Auch das berühmte Ortseingangsschild mit dem Fisch läßt sich noch ertragen. Mulmig wird es, wenn man am deutlich erkennbaren Seerand steht und die Schiffe vor einem auf dem Trockenen liegen. Die Gebäude des Fischkombinats stehen auch noch.
Produkte des Fischkombinats
Der Boden mit seinen Muscheln läßt die Seevergangenheit deutlich erkennen. Unser Fahrer hat als Kind noch genau an der Halbinsel gebadet, auf der heute das Aralseedenkmal steht.
Heute hat sich die Wüste den Seegrund geholt, und wo früher Wasser war, ist heute Sand, Salz, trockener Schlamm und Saksaul-Sträucher.
Schiffsfriedhof in der Wüste
Die Reste des sterbenden Sees haben wir auch noch sehen können, 180km hinter Moynak. Obwohl nur noch ein kläglicher Rest, kann man das gegenüberliegende Ufer (noch) nicht sehen. Schließlich war der See früher einmal etwa 1,5 mal die Schweiz. Da aber der Amudarja kein Wasser mehr hierher bringt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis er ebenfalls verschwunden sein wird.
Muscheln in der Wüste
Mittlerweile sind sogar Straßen durch den See gebaut, und es wird fleißig nach Erdöl gebohrt. Mit Wasser rechnet hier niemand mehr. Folgerichtig waren die Lösungen des Problems, die ein Film im Museum in Moynak präsentierte, eher kleineren Maßstabs. Mit dem verbleibenden Wasser des Amudarjas werden Seen angelegt, die für die Fischwirtschaft genutzt werden.

Noch gibt es Wasser im südlichen See


Übernachtet haben wir am Rande des Ustjurt-Plateaus im Zelt. Den Sonnenaufgang über dem Seerest haben uns leider wieder mal Wolken verdorben.
Zurück sind wir über das Plateau gefahren. Die Kante des Ustjurt - Plateaus hat teilweise spektakuläre Abbruchkanten von mehr als 100m zum ehemaligen See hin. Das Plateau selbst ist ebene Steppe bis zum Horizont.
Rand des Ustjurt-Plateaus
Mittag haben wir an einem der oben erwähnten Seen gegessen. Es gab Fisch - was sonst?

Aber wie soll man den Umgang mit dem See einordnen? Der Fingerzeig auf die bösen Russen / Usbeken paßt hier ganz bestimmt nicht. Selbiges passiert in gleicher oder sinngemäß gleicher Weise überall auf der Welt und ist wie sooft begründet mit Geldverdienen. Im Nahen Osten sinkt der Wasserspiegel des Toten Meeres rapide, aus genau denselben Gründen, Übernutzung der Zuflüsse (z.B. Paprikaschoten aus Israel im deutschen Supermarkt) und Großindustrie. Der Tschadsee wird auch weniger, dank Bewässerung und ausbleibendem Regen. Apropos ausbleibender Regen: Weltweit arbeiten dank selbst generiertem Wachstumszwangs alle am Klimawandel mit und die Folgen läßt man sehenden Auges auf sich zukommen. Dax und Börsenkurse gehen vor, und die versinkenden Malediven oder abgeschmolzene Gletscher sind weit weg. Genauso wie Karakalpakstan am Rande Usbekistans liegt. Der verschwundene See ist unserer Meinung nach nur EIN Beispiel für die Arbeitsweise der Menschheit weltweit, wo jedoch im Zeitraffer die Folgen bereits deutlich sichtbar sind. Die Menschheit könnte es besser machen. Tut aber keiner. Unsere Lebensweise ist ausgerichtet auf mehr Verbrauch an allem. Der westliche Lebensstil macht es vor und erzwingt es. Karakalpakstan und Moynak sind Beispiele für die, die dabei verloren haben. Andere werden folgen.


Hier die Entwicklung der Seegröße seit 1960. Es geht hier um den ehemals viertgrößten See der Welt. Im Russischen wie auch im Englischen ist die Bezeichnung übrigens "Meer".
Aralsee 1960 / 1970
Aralsee 1990 / 2000


Aralsee 2009