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Dienstag, 8. Oktober 2013

Usbekistan - Taschkent

23.09.2013 - 28.09.2013 

Nach Taschkent sind wir zurückgeflogen. Wir geben es zu (siehe letzter Post), aber wir stehen unter Zeitdruck - wir müssen versuchen unser Chinavisum zu bekommen und das usbekische Visum läuft aus. Streß pur. Wie wir von Freunden gehört haben, werden in Bishkek momentan keine China-Visa für Ausländer erteilt, deshalb müssen wir es hier versuchen. Da der Flug von Nukus nach Taschkent erst spät abends ging, haben wir leider nichts von Usbekistan sehen können.
Taschkenter Innenstadt
Taschkent empfing uns mit Großstadtfeeling, viel Verkehr und Straßenlärm. Das war erst einmal ziemlich ungewohnt, selbst Samarkand wirkte dagegen provinziell (hoffentlich liest das kein Samarkander). Die alten Sehenswürdigkeiten halten sich auch in Grenzen, zumal Taschkent 1966 bei einem Erdbeben großflächig zerstört wurde. So ist dann eine Sehenswürdigkeit das Erdbebendenkmal. Das Zentrum hat viele neue Gebäude und ist sehr weiträumig angelegt, Moskauer Architektur läßt grüßen.
"Germania" im Eisenbahnmuseum
Apropos Moskau: Auf jeden Fall sehenswert ist die Metro in Taschkent. Wer die Moskauer Metro kennt, wird jetzt müde lächeln: Aber die Stationen sind sehr geschmackvoll gestaltet, nie langweilig und immer anders. Es fängt an mit Verzierungen an den Säulen über aufwändig gestaltete Kronleuchter bis zu Themenstationen wie "Kosmonaut" mit Gemälden von Ikarus, Ziolkowski und Gagarin. Leider gibt es davon keine eigenen Foto's, da die Metro Bunker im Ernstfall sein soll und Fotos verboten sind. Das Internet wäre aber nicht das Internet, wenn sich nicht trotzdem Bilder finden ließen.
Das Erdbebendenkmal
Die Zeit hier ist trotzdem schnell vergangen. Es gibt hier sehenswerte Kirchen (orthodox und evangelisch),
Orthodoxe Kirche in Taschkent
einen Peace-Park, ein Eisenbahnmuseum. Noch ein kurzes Wort zum Peace-Park: Hier haben Kinder aus Taschkent und Seattle in den 80iger Jahren Fliesen gestaltet unter dem Motto Frieden und Freundschaft. Mit diesen Fliesen wurden in dem Park Baumumrandungen gestaltet und dies kann man sich heute noch ansehen. Was aus diesen Kiddis wohl geworden ist?
Außerdem war Spätsommer: in Taschkent hieß das etwa 40 Grad. Da haben wir dann auch längere Zeit bei einem kühlen Bier verbracht. Ansonsten wird es auch hier Herbst: das Laub und die Kastanien fallen von den Bäumen und die Temperaturen sind auch wieder auf erträgliche 27 Grad gesunken.
Im Seattle Peace Park
Außerdem, wichtig für manch potentiellen Reisenden, gibt es in Taschkent ein Restaurant namens "National Food". Dort kann man so ungesund essen, daß man meint in einer bayrischen Schmankerlstube zu sitzen. Heißt, die Fleischportionen sind riesig und fettig ("bis das Fett die Mundwinkel runterfließt") und das drumherum kommt über homöopathische Mengen nicht hinaus. Unter dem Publikum fanden sich demzufolge auch entsprechende Formate...
Und ohne Lästern: die zentralasiatische Suppe names "Shorpa"war eine der Besten die wir je hatten. Ansonsten siehe oben. Und die offene Küche ist sehr sehenswert. Allerdings haben wir erst nach dem Essen begriffen, dass man auch das Alles auf den Teller bekommt, was in den riesigen Töpfen ist. Fressen bis zum Umfallen.
Pfannen im "National Food"

Da unser Usbekistanvisum langsam auslief, setzten wir uns in Bewegung Richtung Ferganatal und Kirgistan. Auf dem Weg dahin haben wir tatsächlich Berge in Usbekistan gesehen. Die letzte Nacht auf usbekischer Seite haben wir in einer Stadt namens Andijon verbracht. Bekannt ist sie 2005 geworden, als islamische Demonstrationen sehr blutig von der Regierung beendet wurden.
Daß die Stadt sehr islamisch geprägt ist, haben WIR speziell daran gemerkt, daß es sehr schwer war ein Bier zu bekommen. Ansonsten ist, wie sonst auch, in Usbekistan von der Religion im täglichen Leben nicht viel zu spüren gewesen.

Das Chinavisum haben wir trotz zweier Anläufe nicht bekommen. Die Schlangen waren lang, Studenten haben merkwürdigerweise Vortritt (alle Beteuerungen, wir seien auch welche, halfen nicht ), und als wir beim zweiten Versuch dann doch hineinkamen, wurden wir mit Hinweis auf unser demnächst ablaufendes Usbekistanvisum abgewiesen. Express-Service ist angeblich nicht möglich. Das war einfach für die Dame am Schalter uns abzuwimmeln. Denn auch in Taschkent ist es kaum noch möglich ein China-Visum zu bekommen, wie uns andere Reisende mitgeteilt haben.

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Usbekistan - Karakalpakstan oder die Kehrseite des Fortschritts

17.09.2013 - 22.09.2013 

Nach 3 Städten mit viel Geschichte und alten Bauwerken war es Zeit für andere Themen. Da war doch nochwas, das viele Wasser vielleicht, welches die Wüsten Kysylkum und Karakum begrünt? Da die Flüsse nicht ins Meer fließen, muß es doch irgendwo fehlen...
Also brachen wir von Khiva in Richtung Moynak auf. Moynak ist auf älteren Karten am Ufer des Aralsees gelegen, und nannte sich Fischerdorf. Heute soll es das nicht mehr sein. Auf dem Weg dorthin überquerten wir auch wieder den Amudarja, immer noch ein stattlicher Fluß in mindestens Rheingröße. Kaum zu glauben, daß ihm auf den letzten 200km die Puste ausgehen soll.
Zwischenstation auf dem Weg nach Moynak war die Provinzhauptstadt Karakalpakstans, Nukus. Ein gesichtsloses Städtchen ohne alte Bauten.
Savitzki-Museum Nukus
Aber mit einem sehr bekannten Museum mit einer Sammlung sowjetischer Kunst, die zu Stalins Zeiten nicht erwünscht war, aber hier weitab von Moskau erhalten geblieben ist. Wir haben es uns angesehen, allerdings reicht unser Kunstverständnis zugegebenermaßen nur zur Unterscheidung in "schön" und "weniger schön". Aber es gab auch Gemälde zum Aralsee zu sehen, das war natürlich interessant für unser nächstes Ziel.
Da die Preise für eine Aralsee-Tour budgetbrechend sind, gingen wir wieder auf die Suche nach Mitreisenden und konnten auch wieder ein Grüppchen zusammenstellen. Mit einem Usbeken und einem Amerikaner gingen wir auf Tour.
Wenn man Artikel über die Gegend liest, ist meist von Apokalypse die Rede. Angeblich wächst schon in Nukus (200km vor Moynak) kein Pflänzchen mehr (FAZ-Artikel, im Savitzki-Museum zu lesen). Nukus ist weit grüner als es die Lage natürlicherweise gestatten würde. Die Apokalypse ist dann auch bis kurz vor Moynak ausgeblieben, wir konnten Landwirtschaft sehen, und es standen Kühe auf der Weide. Es ist überhaupt nicht nötig Katastrophen auch noch zu übertreiben.
Ortsanfang von Moynak
Auch das berühmte Ortseingangsschild mit dem Fisch läßt sich noch ertragen. Mulmig wird es, wenn man am deutlich erkennbaren Seerand steht und die Schiffe vor einem auf dem Trockenen liegen. Die Gebäude des Fischkombinats stehen auch noch.
Produkte des Fischkombinats
Der Boden mit seinen Muscheln läßt die Seevergangenheit deutlich erkennen. Unser Fahrer hat als Kind noch genau an der Halbinsel gebadet, auf der heute das Aralseedenkmal steht.
Heute hat sich die Wüste den Seegrund geholt, und wo früher Wasser war, ist heute Sand, Salz, trockener Schlamm und Saksaul-Sträucher.
Schiffsfriedhof in der Wüste
Die Reste des sterbenden Sees haben wir auch noch sehen können, 180km hinter Moynak. Obwohl nur noch ein kläglicher Rest, kann man das gegenüberliegende Ufer (noch) nicht sehen. Schließlich war der See früher einmal etwa 1,5 mal die Schweiz. Da aber der Amudarja kein Wasser mehr hierher bringt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis er ebenfalls verschwunden sein wird.
Muscheln in der Wüste
Mittlerweile sind sogar Straßen durch den See gebaut, und es wird fleißig nach Erdöl gebohrt. Mit Wasser rechnet hier niemand mehr. Folgerichtig waren die Lösungen des Problems, die ein Film im Museum in Moynak präsentierte, eher kleineren Maßstabs. Mit dem verbleibenden Wasser des Amudarjas werden Seen angelegt, die für die Fischwirtschaft genutzt werden.

Noch gibt es Wasser im südlichen See


Übernachtet haben wir am Rande des Ustjurt-Plateaus im Zelt. Den Sonnenaufgang über dem Seerest haben uns leider wieder mal Wolken verdorben.
Zurück sind wir über das Plateau gefahren. Die Kante des Ustjurt - Plateaus hat teilweise spektakuläre Abbruchkanten von mehr als 100m zum ehemaligen See hin. Das Plateau selbst ist ebene Steppe bis zum Horizont.
Rand des Ustjurt-Plateaus
Mittag haben wir an einem der oben erwähnten Seen gegessen. Es gab Fisch - was sonst?

Aber wie soll man den Umgang mit dem See einordnen? Der Fingerzeig auf die bösen Russen / Usbeken paßt hier ganz bestimmt nicht. Selbiges passiert in gleicher oder sinngemäß gleicher Weise überall auf der Welt und ist wie sooft begründet mit Geldverdienen. Im Nahen Osten sinkt der Wasserspiegel des Toten Meeres rapide, aus genau denselben Gründen, Übernutzung der Zuflüsse (z.B. Paprikaschoten aus Israel im deutschen Supermarkt) und Großindustrie. Der Tschadsee wird auch weniger, dank Bewässerung und ausbleibendem Regen. Apropos ausbleibender Regen: Weltweit arbeiten dank selbst generiertem Wachstumszwangs alle am Klimawandel mit und die Folgen läßt man sehenden Auges auf sich zukommen. Dax und Börsenkurse gehen vor, und die versinkenden Malediven oder abgeschmolzene Gletscher sind weit weg. Genauso wie Karakalpakstan am Rande Usbekistans liegt. Der verschwundene See ist unserer Meinung nach nur EIN Beispiel für die Arbeitsweise der Menschheit weltweit, wo jedoch im Zeitraffer die Folgen bereits deutlich sichtbar sind. Die Menschheit könnte es besser machen. Tut aber keiner. Unsere Lebensweise ist ausgerichtet auf mehr Verbrauch an allem. Der westliche Lebensstil macht es vor und erzwingt es. Karakalpakstan und Moynak sind Beispiele für die, die dabei verloren haben. Andere werden folgen.


Hier die Entwicklung der Seegröße seit 1960. Es geht hier um den ehemals viertgrößten See der Welt. Im Russischen wie auch im Englischen ist die Bezeichnung übrigens "Meer".
Aralsee 1960 / 1970
Aralsee 1990 / 2000


Aralsee 2009

Dienstag, 24. September 2013

Usbekistan - Die berühmten Städte der Seidenstrasse

05.09.2013 - 17.09.2013 

Die Grenzformalitäten nach Usbekistan waren unkomplizierter als gedacht. Auch mit unserem vom Konsulat per Hand geänderten Visum gab es keinerlei Probleme. Spannend war, was uns hinter der Grenze erwartete.
Da unser Reiseführer immer noch davon ausgeht, dass man die Grenze bei Penjikant nimmt, um nach Samarkand zu kommen, stand natürlich über diesen Grenzübergang (bei Khojand) gar nichts drin. Was zuerst auffiel, lokalen Transport, wie z. B. Busse oder gemeinsam genutzte Taxis schien es hier nicht zu geben. So stiegen wir in die Verhandlungen mit einem Taxifahrer ein und erreichten dann auch, dass er uns nicht nach Taschkent, sondern nach Samarkand fuhr. Der "Vertrag" beinhaltete jedoch eine Überraschung. Zuerst fuhren wir in Richtung Taschkent bis Gulistan. Dort stoppte unser Taxifahrer ein anderes Auto, lud uns um und machte uns klar, dass alles bezahlt sei und wir ja kein Geld mehr rüberreichen sollten. So landeten wir in einem nagelneuen Chevrolet Lacetti, der von der Fabrik zum Laden überführt wurde. Dies schien dem Fahrer aber egal zu sein, denn wir waren meistens die Schnellsten.
Durch den Umweg hatten wir jetzt nochmal ca. 2 Stunden Fahrt vor uns. Im Aussenbereich von Samarkand passierte dann nochmal das Gleiche, aber jetzt wussten wir ja bescheid
!
Bei der Fahrt fiel uns auf, dass wir vom Land der "Opels" (der 'Volkswagen' Tadschikistans ausserhalb des Pamirs) und "Mercedes" (oft gesehen in Duschanbe) ins Land der "Daewoos" und "Chevrolets" (alles eine Firma heute) gekommen sind. Andere Fahrzeugtypen sieht man hier sehr selten, ausgenommen natürlich Ladas und Moskvichs.
Und so kamen wir am späten Nachmittag in Samarkand im Gasthaus "B&B Bahodir" an und bezogen unser Zimmer.

Samarkand
Samarkand - die "Steinerne Stadt" haben wir auch mit 1000- und einer Nacht verbunden. Auf alle Fälle zählt Samarkand zu den ältesten Städten der Welt und wurde bereits vor 2750 Jahren gegründet. Seine Blütezeit erlebte es unter islamischer Herrschaft, wobei die Lage an der Seidenstrasse viel zum Reichtum der Stadt beigetragen hat. Vor allem aus dieser Zeit sind noch Bauwerke (Moscheen, islamische Akademien, Mausoleen) erhalten, die zum grössten Teil restauriert sind. Bevor wir uns aber diesen widmen konnten, brauchten wir erstmal Geld und das ist in Usbekistan ein Ding für sich.
ein Haufen Geld
Der Umtauschkurs für den Euro liegt bei ca. 1 Euro : 3400 Usbekische Sum (UZS). Wenn man also 100 Euro tauscht für den Kurs “3400”, so erhält man 340.000 UZS - klingt gut nicht? Wenn dann aber der grösste Schein ein 1000er (Wert ca. 30 Eurocent) ist, dann wird's spannend. Man erhält mehr als drei Bündel Geld, jeder immerhin mit 100 Scheinen und soll diese dann checken . Bisher hat das Geld auf den Punkt gestimmt.
Doch nun zurück zu Samarkand. Mit ausreichend Geld in der Tasche gingen wir auf Entdeckungstour. Hier alle Bauwerke zu beschreiben wird Euch und uns ermüden, deshalb sagen wir einfach mal, welche uns am besten gefallen haben.
Shah-I-Zinda
Ganz oben auf der Liste steht die Strasse der Mausoleen (Shah-I-Zinda). Der Name bedeutet "Grab des Lebenden Königs". Es ist wirklich eine kleine Straße mit aneinandergereihten Räumen bzw. kleinen Bauwerken (die innen schön kühl sind), in denen Familienangehörige und nahestehende Bekannte von Timur und Ulug'bek ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Einige dieser Mausoleen sind prächtig verziert mit blauen Ornamentfliesen oder Wandbildern, andere sind eher schlicht, haben aber auch ihren Charme. Auch ein Cousin des Propheten Mohammed soll hier liegen, was nicht nur Touristengruppen hierher zieht, sondern auch viele einheimische Gläubige.
Danach folgt das Mausoleum von Amir Timur. Neben der wunderschönen Halle unter einer blauen Kuppel, war hier die  Atmosphäre für uns das Ausschlaggebende. Jede Gruppe (also die Einheimischen) beendeten die Besichtigung mit einem Gebet. Manchmal störten dabei die Reiseführer der Touri-Gruppen, da diese ihre Erklärungen einfach fortsetzten. Wenn diese aber nicht da waren, entstand eine sehr schöne Stimmung.
Mausoleum Amir Timur

Die anderen Gebäude haben auch alle ihren Reiz, sie seien hier erwähnt, aber nicht näher erläutert:
Platz Registan mit der Ulugbek Medressa, Sher Dor (Lion) Medressa und der Tilla – Kari Medressa und die Bibi-Khanym-Moschee.

Registan Platz
Bibi-Khanym-Moschee
Die Stadt kann man meistens unter schattigen Bäumen erkunden und so auch in den neueren Teil gelangen. Hier befinden sich Verwaltungsgebäude, viele Geschäfte und auch Mahnmale und andere Denkmäler, z. B. die von Amir Timur oder Rudaki (na, noch bekannt wer das war?).
Amir Timur
Wir haben hier die Post in Anspruch genommen und Andrés Fotoapparat reparieren lassen.
Highlight war dann eine Weinverkostung. Denn in Samarkand steht eine Weinfabrik, die Ende des 19. Jh. von einem russischen Weinfan gegründet wurde. Heute ist diese Fabrik zu 51% staatlich, die restlichen 49% gehören den Arbeitern und Angestellten. Die Trauben für die Weine und Cognacs kommen aus ganz Usbekistan und die Sorten sind sehr zahlreich. Von der Ernte geben die Bauern 50% an die Fabrik und 50% behalten sie selber. Dies macht sich auf den Märkten (hier Basare genannt) bemerkbar, hier gibt es viele und ganz leckere Weintrauben zu kaufen.
Lecker!
Die Weinverkostung beinhaltete eine kleine Museumsführung und dann die Probe von 10 Getränken, darunter 8 Weine, 2 Cognacs und ein Kräuterlikör (der hieß hier wirklich so und war richtig lecker). Interessant war, dass die Herstellung von trockenen Weinen hier äußerst schwierig ist, da die Trauben aufgrund der klimatischen Bedingungen sehr sehr viel eigenen Zucker besitzen. Deshalb liegt das Augenmerk hier auch auf halbtrockenen Weinen und Dessert-Weinen. 



Neben dieser Köstlichkeit haben wir in Samarkand noch einen Eisladen in unser Herz geschlossen, 
... auch Lecker!!!
der superleckeres Softeis hatte.
Nach vier Nächten in Samarkand zog es uns weiter und so fuhren wir mit dem Bus nach Buchara.

Buchara existiert ebenfalls schon sehr lange (unter anderem wurde sie durch Dschingis Khan erobert und zerstört), die heute zu sehenden Bauwerke stammen jedoch überwiegend aus der Zeit des 16. und 17. Jahrhunderts. Sie gilt als die heiligste Stadt Usbekistans.
Das Zentrum ist noch sehr gut erhalten und beherbergt Moscheen, Minarette, Medressas und überdachte Basare. Die noch im vorletzten Jahrhundert offenen Kanäle und Brunnen, die oft Auslöser von Epidemien wie die Pest waren (das Durchschnittsalter im 19. Jh. lag bei 32!!!), sind durch die Sowjetunion modernisiert wurden. Trotzdem riecht es hier und da heute noch an manchen Stellen unangenehm.
Was fiel uns zuerst hier auf – es gab kein Softeis
!
Und was noch: Hier tummelten sich viele Reisegruppen, die das Straßenbild bestimmten und leider auch die Preisentwicklung. Wir mussten z. B. lange suchen, um ein Zimmer für den akzeptalen Preis von 25$ zu bekommen. Auch eben mal eine Kleinigkeit essen war nicht so einfach, da es sich im Budget gleich niederschlug. Nun war es im Vergleich zu deutschen Preisen nicht wirklich teuer, aber beim Reisen haben wir immer das örtliche Niveau im Blick und damit verglichen, waren die Preise merklich hoch.
Vom Drumherum nun zu den Sehenswürdigkeiten.
Das Kalon (bedeutet „Groß“ in Tadschikisch)-Minarett:
Das Kalon-Minarett
Erbaut im Auftrag von Arslan Khan im Jahre 1127 war es zu dieser Zeit das höchste Gebäude in Zentralasien. Selbst Dschingis Khan war davon so beeindruckt, dass er es von der Zerstörung verschonte. Es ist 47 m hoch und das Fundament reicht bis zu 10 m in die Tiefe. Die 14 Ornamentringe haben alle ein anderes Design und es wurden zum ersten Mal blau glasierte Fliesen verwendet. Eingerahmt wird das Minaret von der Kalon-Moschee und der immer noch als islamische Akademie existierende Mir-i-Arab Medressa mit ihrer strahlenden blauen Kuppel.
 


Der älteste Gebäudekomplex ist der sogenannte „Ark“, eine königliche Stadt in der Stadt. Die Außenmauern sind sehr beeindruckend, im Inneren ist jedoch nur ein kleiner Teil zu besichtigen, bei unserem Besuch war dann auch noch das Museum geschlossen.
Der "Ark" - Eingangstor
Zu sehen sind die Freitagsmoschee aus dem 17. Jahrhundert (leider auch nur von außen), der Thronsaal, in dem die letzte Krönung eines Emirs 1910 stattfand und dessen Dach 1920 durch ein Bombardement zusammenbrach sowie Ställe und ein Raum, in dem Musikinstrumente gelagert wurden.
Das Gefängnis haben wir besucht, aber wirklich gelohnt hat es sich nicht. Ist für Engländer vielleicht interessant, da hier Colonel Charles Stoddart und Captain Arthur Conolly gefangen waren, die 1842 auf Geheiß des Emirs enthauptet wurden.
Ein Mausoleum möchten wir hier noch erwähnen, nämlich das Ismail Samani Mausoleum, welches 905 fertiggestellt wurde und somit das älteste muslimische Bauwerk der Stadt ist. Mir gefällt es ganz besonders, da es an sich sehr schlicht ist, jedoch ein aufwendig gemachtes terracottafarbenes Mauerwerk besitzt, welches sehr robust ist und so die Jahrhunderte fast ohne Restaurierungen überstanden hat.
Ismail Samani Mausoleum - schlicht und deshalb schön
Wir haben uns auch den Sommerpalast des letzten Emirs angeschaut, aber dieser war jetzt nicht sooo interessant.
Auf dem zentralen, wie gesagt, sehr touristischen Platz gibt es eine Statue von Hoja Nasreddin
Hoja Nasreddin
auf seinem Esel, eine Art Till Eulenspiegel des islamischen Raumes.Später (in Khiva) haben wir einen Film über ihn gesehen, der ihn uns sehr sympathisch machte, da er mit viel Witz das Geld von Reich nach Arm umverteilte.







Sowjetzeit=Mützenzeit
Ist nicht ganz was man denkt...
 
Ansonsten war Buchara ok, aber es wird nicht unsere Lieblingsstadt werden.


Dies können wir eher von Khiva sagen. Der Weg dorthin führt durch die Wüste Kysylkum. Von dieser haben wir aber auf den ca. 6h Fahrt nur sehr wenig gesehen. Riesige Gebiete sind über ein Kanalsystem vom Amu Darja bewässert, und statt Sand und Saksaul gibt es Kartoffeln, Mais, Melonen, Äpfel, Tomaten und immer wieder Baumwolle. HIER ist jedenfalls aus Wüste blühende Landschaft geworden. Ob dies immer so gut ist, dazu später mehr.
Khiva selber gleicht fast einem Freilichtmuseum, aber hier bewohnen die Menschen noch die Häuser in der Altstadt. Die Stadt ist lebendig und kein modernes Gebäude stört die Ansicht. Tagsüber tummeln sich auch hier viele Touri-Gruppen, aber wenn die Sonne untergegangen ist, alle Souvenirstände verschwunden sind, dann kann man in die Vergangenheit eintauchen. Ursprünglich eine Oasenstadt, ist heute davon nicht mehr viel zu sehen, wie weiter oben bereits beschrieben. Das Wüstenfeeling hat man aber noch in der Altstadt von Khiva, die von einer dicken Lehmmauer umgeben ist.  Die Gebäude sind überwiegend sandfarben. Im Gegensatz zu Samarkand wurden hier noch nicht so viel mit farbigen Fliesen gearbeitet. Es gibt sogar ein Kamel!
Khiva war schon immer eine strategisch wichtige Stadt, da sie direkt am Verbindunsgweg zwischen Indien und Europa liegt. Leider ist sie auch dafür bekannt ein wichtiges Zentrum für den Sklavenhandel gewesen zu sein.
Nische beim ehemaligen Sklavenmarkt
Davon zeugt heute noch das Osttor. Hier war der Sklavenmarkt gewesen und in den Nischen in der Mauer waren diese armen Menschen untergebracht.
Heutzutage bewundern wir aber die hier anzusehenden Leistungen der Architekten. So kletterten wir auf das höchste Minarett Usbekistans. Dies ist nicht sehr alt (stammt aus dem Jahre 1910) und sieht mit seinen türkisen und roten Bändern eher aus wie ein Leuchtturm, aber von hier oben hatten wir einen super Blick auf Khiva beim Sonnenuntergang. Außerdem sagt man ja "Reisen bildet" und so lernten wir hier oben eine tolle Funktion des Smartphones kennen, nämlich die Panoramaaufnahme.
Die Sonnenuntergänge sind hier die Highlights, wenn sich die Farbe der Lehmgebäude durch die sinkende Sonne ins Rötliche ändert, sieht dies einfach super aus. So suchten wir uns für jeden Abend einen anderen Platz (Stadtmauer, Wachturm) um uns daran zu erfreuen.


Die 218 Säulen der Juma-Moschee
Neben so sportlichen Aktivitäten wie Minarette und Stadtmauern besteigen, ist hier natürlich auch viel Kulturelles zu besichtigen. Die Juma-Moschee (Freitagsmoschee) sei hier noch erwähnt, da diese mal was anderes war. Von Außen sehr unscheinbar, beherbigt sie innen 218 Säulen, die das Dach tragen. Dies wurde von alten arabischen Moscheen abgeschaut. Ein paar von den Säulen stammen sogar noch aus der Zeit der Originalmoschee, also aus dem 10. Jahrhundert.
Ebenfalls sehr schön ist das Pahlavon Mahmud Mausoleum mit seiner türkisfarbenen Kuppel und dem reichverzierten Innenraum. Pahlavan Mahmud war ein Philosoph, Dichter und bekannter Ringer. Als Khivas Schutzheiliger ist das Mausoleum auch für die Menschen der heutigen Zeit ein Ort um zu beten und um Hilfe zu bitten.
"Leuchtturmminarett" und Pahlavan Mahmut Mausoleum
Auch interessant ist das unvollendete Kalta Minor Minaret. Der Bau begann 1851 und es sollte das höchste Gebäude der Zeit werden (ca. 70 m). Allerdings erreicht es heute nur eine Höhe von 26m. Als der auftraggebende Khan 1855 vom Minarett stürzte und zu Tode kam wurden die Arbeiten eingestellt und das Minarett nicht vollendet. Von dem was wir heute hier sehen können, wäre dies ein sehr beeindruckendes Bauwerk geworden.
das unvollendete Kaltar Minor Minarett (rechts)
eine Reisegruppe - süss nicht?
Ab und an schlossen wir uns auch mal deutschen Reisegruppen an, um so die Erläuterungen zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten mit aufzuschnappen.


Neben Khiva selber widmeten wir uns einen Tag dem ehemaligen Königreich Khorezm. In der Umgebung gibt es die Überreste alter Burgen.
Diese sind aus dem 6. bis 7. Jahrhundert, der Erhaltungsgrad reicht von "Lehmhaufen" bis zu imposanten Gebäuderesten und die Ausdehnung geht bis 500m x 500m. Einige von denen waren sogar von richtiger Wüste umgeben, was sie irgendwie noch Beeindruckender machte.
In Khiva verbrachten wir mehr Zeit als geplant, oder sagen wir gedacht. Es wurde hier nie langweilig, die Teehäuser sind gemütlich und abends gab es sogar Kino "for free".

Die Seidenstraße, mystisch und mit Abenteuer verbunden. Dieses Flair haben wir versucht aufzunehmen und in diese Zeit einzutauchen. Klappt natürlich nicht ganz, am ehesten noch in Khiva.
Ansonsten muss man schon von der modernen Seidenstraße sprechen. Die Länder Usbekistan, Turkmenistan und eben auch Iran gewinnen an strategischer Bedeutung. Aber unabhängig davon, auch hier ist die Zeit nicht stehen geblieben. Handys, starker Straßenverkehr, WiFi in allen Gasthäusern, moderne Fußgängerzonen und der Traum der Menschen in die USA zu gehen, verweisen auf die rasante Entwicklung auch in diesem Teil der Welt.
Aber es gibt sie noch, die Eselkarren (wenn auch auf 4spurigen Straßen), die Gemütlichkeit von Teehäusern,  die quirligen Basare und die Langsamkeit des Seins.
... bis bald beim nächsten Post!