Samstag, 17. Mai 2014

Timor Leste - Oecussi, ein winziger Teil eines winzigen Landes

19.03.2014 - 23.03.2014

Wer sich die Karte von Timor anguckt, wird in Westtimor (=indonesisch Timor) einen winzigen Flecken finden, der auch zu Osttimor gehört. Diese Enklave heißt Oecussi und beherbergt den Ort, an dem die Portugiesen 1515 angelegt haben. Diesen haben sie dann auch nicht an die Holländer herausgerückt, weswegen er heute zu Osttimor gehört.
Der einzige Weg, ohne ein indonesisches Visum zu verbrauchen, führt über den Seeweg nach Oecussi, auf dem 2x die Woche eine Nachtfähre verkehrt. Die haben wir dann auch genommen und eine Nacht in der frischen Seeluft verbracht. Na ja, eine Stunde oder zwei mußten wir unter Deck - es regnete mal wieder.
Auf dem Schiff erfuhren wir, daß in Pantemakassar (der einzigen "Stadt" in Oecussi) am Osterwochenende eine Konferenz ist. Das roch nach Ärger, ist doch Pantemakassar nicht üppig mit Hotels bestückt. So war es dann auch - alles ausgebucht. Netterweise ist der Chef eines der vollen Hotels (des Rao, unsere Empfehlung, falls jemand von Euch demnächst dort vorbeifährt) mit uns eine halbe Stunde durch den Ort gefahren und hat noch eine Bleibe aufgetrieben. Sonst hätte das Paar Touristen am Strand übernachten können. Ironischerweise ging es auf der Konferenz um die Entwicklung der Tourismus...

Fähre von Dili nach Oecussi
Das übersichtliche Stadtzentrum von Pantemakassar
Hier sind die Portugiesen 1515 angelandet (5km westlich von Pantemakassar)

Strände gibt es auch hier kilometerweit
Frisch renovierte christliche Missionsschule
Dieses schöne Gebäude wurde an diesem Wochenende eingeweiht. Zugegen war auch der Premierminister von Timor Leste, Xanana Gusmão. Das ist noch einer aus dem Befreiungskrieg, so richtig zum Anfassen. Und sein Volk liebt ihn anscheinend - keine Bodyguards, keine Sicherheitskontrollen. Er hat natürlich auch eine Rede gehalten, aber das machen ja alle. Deshalb hier ein paar Bilder von dem, was nicht alle machen.
Wir hatten auch eine Einladung zur Einweihung. Na gut, nicht vom Premier, aber von der Oberbetschwester. Das Café der Mission hat als einziges in Pantemakassar frischen Fruchtsaft, und da waren wir natürlich Stammgäste.

Der Premier macht seine Späßchen mit der jungen Singegruppe...
gibt der älteren Singegruppe den Takt vor...
oder eröffnet das lokale Fußballspiel und kommentiert es dann gleich noch selbst
Das Wochenende verging schnell, und wie ehemals die UN-Soldaten fanden auch wir Oecussi einen Ort, an dem es sich gut aushalten läßt.

Sonntag, 4. Mai 2014

Timor Leste - ein ganz junges Land

06.04.2014 - 18.03.2014

Timor Leste ist ein in unseren Breiten relativ unbekanntes Land, welches die Osthälfte der Insel Timor einnimmt. Unabhängig ist es erst seit 2002. Die Aufteilung hat ihre Ursachen wie viele Gebietsstreitigkeiten in der "3." Welt in der Kolonialzeit - Osttimor war portugiesisch, Westtimor holländisch besetzt. Daraus resultierte die Möglichkeit, nach Rückzug der Kolonialherren selbständig zu werden. Da Indonesien den Ostteil auch gern haben wollte, hatte es diesen seit 1975 besetzt.Und da die westliche Welt befürchtete, daß die potentiellen Machthaber Osttimors Milch an Kinder verteilen oder gar die Schulbildung kostenlos machen könnten, hat sie Indonesien militärisch unterstützt und auch sonst den Rücken freigehalten. Das hat dann geschätzten 108000 Timoresen das Leben gekostet. Als die Verbrechen nicht mehr zu ignorieren waren, hat sich Portugal und die UNO für ein Ende der Besatzung engagiert, und nach etlichem Hin und Her endete es in der Unabhängigkeit Osttimors und einem weitgehend zerstörtem Land.
Vor einigen Jahren hatte ich in einer deutschen Zeitung einen Beitrag über Timor Leste (Osttimor) gelesen, der eher abschreckend (eine der höchsten Kriminalitätraten der Welt) wirkte. Reisende sowie die "Traveller-Bibel" (Lonely Planet) berichteten Angenehmeres über das Land. Und da wir ein neues Indonesienvisum brauchten, verbanden wir das Notwendige mit dem Interessanten und haben uns das Land selbst einmal angesehen.

Alles eine Nummer kleiner: der internationale Flughafen von Timor Leste

Denkmäler sind aufgrund der kämpferischen Geschichte auch hier reichlich vorhanden

Die Portugiesen haben hier zwar nicht viel sichtbares hinterlassen, und das Wenige hat im Krieg auch noch oft Schaden genommen, aber die christlichen Missionare haben ganze Arbeit geleistet: das Land ist streng katholisch. Die Kirchen sind in aller Regel das bestrenovierte Haus in jeder Stadt, in jedem Dorf, und es sind auch oft christliche Missionen zu finden.
In Dili haben wir aber auch einen Muezzin rufen hören.

Christu Rei von Dili ist die zweitgrößte Christus-Statue der Welt
Denkmal für den Papstbesuch 1989 in Dili (während der Besatzungszeit)


Sympathisch: bis jetzt wurden die repräsentativen Ausgaben des Staates in Grenzen gehalten. Der Präsidentenpalast ist ein übersichtliches Gebäude. Das Parlament ist im ehemaligen portugiesischen Gouvaneurspalast untergebracht.

Auch von dezenter Größe: der Präsidentenpalast von Timor Leste

Ein Museum zeigt die Geschichte Osttimors von der Ankunft der Portugiesen bis zur Unabhängigkeit. Unschwer ist herauszulesen, daß das Land Opfer der "großen" Politik geworden ist. Menschenrechte sind eine schöne Sache, aber manchmal werden anscheinend die Prioritäten anders gesetzt. Die von verschiedenen Staaten unterstützte Seite (s.u.) wird in dem Museum etlichen schweren Kriegsverbrechen beschuldigt.

Aus der Unabhängigkeits-Ausstellung: die üblichen verdächtigen Waffenlieferanten

Um etwas mehr vom Land zu sehen, haben wir uns ein Motorrad geliehen und sind eine Woche lang bis fast an die Spitze gefahren. Leider sind die meisten Strassen in den letzten Jahrzehnten im wahrsten Sinne des Wortes den Bach hinuntergegangen, so daß das Fahren eine recht anstrengende Sache wurde. Unschätzbarer Vorteil einer Motorradtour: man kann die kleinen Sehenswürdigkeiten am Rande ansehen oder an einem Fischgrill anhalten ;-) . Auch einen Abstecher in die Berge haben wir gemacht. Das endete in Trial-ähnlichem Fahren.

Herrliche Landschaft gibt es hier satt

Fische: aus dem Meer auf den Grill in den Mund

Portugiesische Kirche in Laleia

"Hot Spring" (besser: Warm Spring) nahe Velilale

Kirchliche Festlichkeiten am Palmsonntag in Com

Seeseite in Com; da haben wir auch gewohnt

Interessante katholische Kirche in Lospalos

Tribut an die Regenzeit: da hilft nur Warten; was hier in der Regenzeit Alltag ist würde in D zu Katastophenalarm führen

Traditionelle Häuser im Osten Osttimors

Ökoschweine am Strand von Com

Unser Eindruck: das Land ist sehr arm. Das kann auch nicht anders sein, war es doch nach der Besatzungszeit zu 75% zerstört. In den Dörfern und Kleinstädten scheinen die Gemeinschaften noch in Ordnung zu sein und der Landbesitz sichert das Auskommen - hungern muß wohl niemand. Wie das in Dili funktioniert, haben wir nicht ergründen können, aber das Nichtvorhandensein von Bettlern ist immer ein gutes Zeichen.
Die UNO ist mittlerweile abgezogen, aber noch tummeln sich die Hilfs- und "Hilfs"-Organisationen im Land. Die Einen, um zu helfen, die anderen, um die Geschäftsfelder aufzuteilen. Wir haben von Unterstützung für Community-basierten Tourismus gehört, aber auch die Hotelketten stehen in Stellung. Und das Öl wird bereits durch Australien gefördert. Daraus werden nach Auskunft eines Osttimoresen die Bildungsprogramme finanziert - wie ehemals befürchtet (siehe Einleitung) ist Bildung in Osttimor frei.

Ach ja, und der oben erwähnte Zeitungsartikel:
Es hat wohl jemand den Kriminalitätsschalter auf "AUS" umgelegt. Oder es hat jemand Bürgerkrieg (den es gegeben hat) mit Kriminalität verwechselt. Uns ist jedenfalls nichts passiert, wir haben keinen getroffen, dem was passiert ist, und wir haben niemand kennengelernt, der jemanden kennt, dem was passiert wäre. Die Osttimoresen sind deutlich zurückhaltender als die Indonesier, aber wir sind überall freundlich behandelt worden, und abseits der Hauptstraße ist ein Tourist schlichtweg der Exot.

P.S.: Das mit dem indonesischen Visum hat wieder nicht wie geplant geklappt: warum auch immer haben wir wieder nur ein 30-Tage-Visum im Paß. Kennen die indonesischen Beamten die Größe Ihres Landes nicht?

Montag, 21. April 2014

Indonesien - Oga-Oga und Silent Day

28.03. - 05.04.2014


Von Java hatten wir uns ja dann doch relativ schnell verabschiedet und standen nun in Bali. Da dies nur ein Zwischenstopp sein sollte um nach Osttimor zu gelangen, hatten wir uns hier nicht allzu sehr vorbereitet. Außerdem waren wir ja 2005 schon mal hier.
Neu für uns war jedoch das hinduistische "Neue Jahr", welches hier "Nyepi" heißt und wir das Jahr 1936 feierten (wo sind wir jetzt eigentlich: im Jahr 113, 1936, Pferd oder 2014???). Für uns interessant war dabei der "Ogo Ogo" und der "Silent Day".

Das ist eine Zeremonie vor dem Neujahrstag. Mit Reis, Blumen und Früchten werden die Götter besänftigt. Das Ganze passiert in der traditionellen Kleidung der Balinesen.

Am Vorabend des Nyepi werden die bösen Geister mit den sogenannten Oga-Ogas eingefangen. Jungen Männer tragen die selbstgebastelten Gestalten (sehen schon furchteinflössend aus) durch die Strassen und wirbeln sie herum - soweit das geht, denn die Gestelle scheinen ganz schön schwer zu sein.
Am Abend werden diese dann verbrannt und so die bösen Geister vernichtet.

Nach diesem Rummel folgt der "Silent Day". An diesem Tag ist Bali wie verwandelt. Alle bleiben zu Hause, nach hinduistischer Tradition wird 24 Stunden gefastet und kein Fernsehen geschaut, also sprich es soll kein Strom verwendet werden. Indonesien ist ein Staat mit vielen Religionen und so gibt es auf Bali auch Moslems und Christen. Aber alle halten sich an diesem Tag an das "Ausgehverbot" und dann sehen die Straßen aus wie auf dem Foto. Auch für Touristen gilt diese Regel, allerdings durften wir im Hotel essen und trinken und auch elektrische Geräte nutzen. 


  
Und so verbrachten wir den Tag am und im Pool, schrieben Tagebuch, surften auf dem Smartphone und entspannten einfach. Mit uns waren noch zwei Deutsche und eine Niederländerin im Hotel, so dass es auch nicht zu voll war und wir unsere Erlebnisse austauschen konnten.
In Kenntnis des Tages hatten wir uns mit Instant-Nudelsuppen, Keksen und Wein eingedeckt.
Zum Abendessen verliessen wir "verbotenerweise" kurz das Hotel über den Hinterausgang um zu einem Restaurant zu kommen, welches wohl Essen zubereitete. Aber dieses hatte geschlossen und so kochte unser Hotelmanager kurzerhand für uns eine Reissuppe mit Ei.

Ansonsten ist Bali ein Taucherparadies und so entschlossen wir uns, unsere ziemlich verblassten Tauchkenntnisse wieder auf Vordermann zu bringen. Wir machten einen Refresh-Kurs und hatten dann noch 3 Tauchgänge, bei denen wir schöne Korallen, einen Kraken, einen Feuerfisch und zwei Haie sahen. OK, wir haben die Haie nicht gesehen, aber die anderen in unserer Tauchgruppe.

Ein sehr gutes Tauchrevier ist die See rund um die Insel Menjangan. Hier fällt eine Wand steil ab, natürlich unter Wasser und man kann daran entlang tauchen. Im Endeffekt ist man wie schwerelos und treibt einfach mit der Strömung mit. Die Insel selber ist unbewohnt und auch geschützt. Das einzige Gebäude ist ein hinduistischer Tempel mit einer großen Figur von Gott "Ganesha".



                                                                




Einen Tag machten wir mal wieder eine Rundfahrt mit dem Moped. Wir besuchten die heiligen heißen Quellen, die gut warm, aber nicht wirklich heiß sind.
Wie schon gesagt, gibt es auf Bali viele Religionen, so auch Buddhisten. Ein buddhistischer Tempel durfte demzufolge auf unserer Tour nicht fehlen. Unteranderem gab es hier eine Miniaturausgabe vom Borobodur auf Java.

... ist das die maximale Besetzung???
das Wahrzeichen von Lovina - der Delfin
                                                                                       
Ansonsten haben wir auf Bali gut gegessen, viele Fruchtsäfte getrunken und auch viel nix gemacht. Für unseren Weiterflug fuhren wir noch für eine Nacht an den Kuta-Beach nahe Denpasar. Dies ist nicht so unser Fall - massig Shops (aber keinen den man braucht), relativ teure Restaurants und ganz viele Wellnessangebote. Allerdings war es schön am Strand zu sitzen, etwas zu trinken und den Surfern zuzuschauen.

Montag, 7. April 2014

Indonesien - Java, Insel der Vulkane

09.03.2014 - 27.03.2014

 

Flug von Banda Aceh nach Jakarta

Obwohl wir es bevorzugen überland zu reisen gibt es für diese Strecke eigentlich nur den Flug. Schließlich ist diese Ecke Indonesiens mehr als 2000km von der Hauptstadt weg. Selbst Colombo wäre näher.

Von Nahem haben wir den Vulkan wegen des Smogs nicht gesehen, aber von oben sahen wir ihn doch dampfen (vermutlich der Sinabung auf Sumatra)


Im mittleren Tal kann man immer noch Brände sehen, welche uns die Sicht auf die Landschaft Sumatras versaut haben

Jakarta

Auf Java liegt die Hauptstadt, Jakarta. Kein Ort zum länger verweilen, weil ein 10-Millionen-Moloch. Aber ab und an muß wieder mal ein Visum organisiert werden, und das taten wir hier. Es war das erste Visa, welches wir kostenlos erhielten (wenn man von eVisas absieht). In der Zwischenzeit schauten wir uns in der Stadt um.

Modernes Stadtviertel von Jakarta. Das Wetter war leider nicht so gut - die Regenzeit machte Überstunden.
  
Gibt es auch noch: "Neighbourhoods" zwischen den Hochhausschluchten


Sieht aus wie ein griechischer Tempel, ist aber das alte Gerichtsbebäude der Holländer in Batavia. Heute befindet sich das Kunstmuseum darin.


Nationalmonument der Indonesier

Yogyakarta

Um Yogyakarta führt auf Java kein Weg drumherum: es ist Ausgangspunkt für Borobodur und Prambanan, und auch für den Aufstieg zum Gunung Merapi, so er denn gerade mal stillhält. Und die Stadt selbst hat auch noch ein paar Sehenswürdigkeiten zu bieten, z.B. den immer noch aktiven Sultanspalast. Auch das Dieng-Plateau, ein vulkanisches Hochplateau, kann man von hier erreichen. Aber das sieht bei trüben Wetter nicht soo doll aus.

Der gigantische buddhistische Tempel von Borobodur
Wenige Kilometer weiter: die Hindutempel in Prambanan

Tanz auf dem Vulkan: Sonnenaufgang am Kraterrand des Merapi

Dampfendes Loch (Dieng-Plateau)

  Bromo-Tengger-Semeru Nationalpark

Der Bromo-Tengger-Semeru Nationalpark ist im Osten Javas und berühmt für seinen aktiven Vulkan Bromo und den atemberaubenden Ausblick über die Vulkanlandschaft. Natürlich nur, wenn da keine Wolken sind...

"Sonnenaufgang" - der Semeru im Hintergrund läßt einen Pups

Unter den Wolken: links dampft der Bromo
Und: Blick in den Krater des Bromo

Bondowoso

Nach 2 Nächten am Bromo wußten wir es: Temperaturen unter 20° sind dem Wohlbefinden nicht zuträglich (am Bromo haben wir seit längerem wieder mal gefroren). Deshalb haben wir in der sehr angenehmen Kleinstadt Bondowoso eine Pause gemacht, die Wärme genossen und uns mit leckerem Fruitjuice zugedröhnt..

Auch Holländer waren keine humanen Kolonialisten: in diesem Waggon sind 50 Indonesier umgekommen


Ijen-Plateau

Warum steht man mitten in der Nacht auf, verätzt sich Lunge und Augen und friert bis zum Sonnenaufgang? => um die Blue Fires am Vulkan Ijen zu sehen!


Blaues Feuer - nur in stockdunkler Nacht zu sehen
Der Ijen ist ein aktiver Vulkan, an dem es einen Schwefelwasserstoffausbruch gibt. Das Gas brennt, ein Großteil oxidiert zu Schwefeldioxid, und ein Teil fällt als Schwefel aus (wissenschaftlich: eine Solfatare).
Der Schwefel wird dann abgebaut. Und so sieht das Ganze aus:


Der Kawah (See) Ijen bei Sonnenaufgang, links die qualmende und stinkende Solfatare
Die Solfatare etwas näher ...
Der erstarrte Schwefel wird von Hand gebrochen ...
und aus dem Vulkan herausgeschafft. So eine Last wiegt ca. 70 kg!!!
Selbst aus großer Entfernung ist Kawah Ijen zu sehen

Eigentlich wollten wir noch einmal auf Java, direkt gegenüber von Bali, übernachten. Aber der Fahrer hat das von uns anvisierte Hotel nicht gefunden. Also haben wir ihm angeboten, uns an der Fähre abzusetzen, falls er die eher findet. Und so standen wir dann noch am selben Abend auf Bali.